Formel-1-Duell „Rush“: Nicht schön, aber schnell

Gut wären ein paar Ohrenschützer. Wenn der Treibstoff in den Zylindern der Formel-1-Wagen beim Start explodiert, addiert sich das zum Lärm eines Langstreckenflugzeugs. Als säße man im Triebwerk. Auch optisch sind die Starts bei „Rush“ eine Klasse für sich. Ron Howard setzt sie jedes Mal anders in Szene, aber immer so, dass die Leinwand wackelt. Die Reifen scheinen vor Anspannung zu pumpen wie Lungen, optisch walken die Kolben in den Zylindern für eine Sekunde so langsam wie in gigantischen Schiffsdieseln – ein Trick, um den Motor animalisch werden zu lassen wie ein schlagendes Herz.

Ferrari auf der Überholspur

Wird im Regen gestartet, brandet das Wasser vom Vordermann in die Cockpits, und die Gischt hinter den Reifen schäumt wie auf hoher See. Ein unglaubliches Rütteln erfasst die leichten Wagen, die von 500 PS nach vorn geschleudert werden. Das ganze Gefährt zittert vor bestialischer Kraft. Weder im Rückspiegel noch auf den Armaturen ist jetzt irgendetwas zu erkennen.

Gegen den Krach muss sich auch noch Hans Zimmers Filmmusik behaupten, dessen Orchester fiedelt, als gelte es, einen Trupp Hunnen anzufeuern. Technisch ist das alles bis ins Detail perfekt gemacht. Wie auch sonst: Hätte der ingeniöse Ehrgeiz der Ferrari-Monteure und -Fahrer nicht auf die Professionalität des Filmteams abgefärbt, wäre ein solches Produkt nichts als lächerlich.

Und auch so wird, wer mehr als 60 PS aus ökologischen Gründen widerlich findet, „Rush“ nicht mögen. Und die übrigen? Was lieben Frauen an Rennfahrern, sinniert zu Beginn der Formel-1-Fahrer James Hunt, Nikki Laudas großer Rivale in den 1970er-Jahren. „Dass wir immer im Kreis um den Sieg fahren, finden sie erbärmlich. Ich fürchte sogar, ganz zu Recht. Es ist unsere Nähe zum Tod, die sie lieben.“ Der Tod sorge dafür, dass sie intensiver lebten. Für James Hunt (Chris Hemworth) bedeutet das vor allem Sex und Partys.

Zeichen der Vergangenheit

Für diese Hobbys bringt er ein sonniges Gemüt und ein ausnehmend hübsches Gesicht mit. Was man von Hunts Gegenspieler Niki Lauda nicht gerade sagen kann. „Ich weiß, dass ich wie eine Ratte aussehe“, sagt Daniel Brühl als Österreichs Rennfahrer Nummer eins. Was haben die Maskenbildner nicht alles mit ihm angestellt! Die Oberlippe hochgezogen, um mehr Nagezahn zu zeigen; die fettige Haut voller Pickel, Frisur zum Weglaufen und ein österreichischer Akzent, der sein Englisch wirklich abstoßend macht. Du bist der einzige Mensch, der mit Verbrennungen besser aussieht als ohne, sagt Hunt, nachdem er Lauda den Weltmeisterschaftstitel mit knappem Vorsprung entrissen hat.

„Rush“ ist ein Hohelied auf die Rivalität. Niki Laudas Siegeswille triumphiert auch über sein Aussehen. Als er nur sechs Wochen nach seinem verheerenden Unfall am Nürburgring 1976 unter grässlichen Schmerzen seinen Helm wieder über das verbrannte Gesicht zieht, nach schlechtem Start mit übermenschlicher Konzentration einen Wagen nach dem anderen überholt, nur um dem Sunny Boy Hunt nicht die Weltmeisterschaft zu überlassen, da kann man gar nicht anders, als die Ratte schön zu finden.

Rush USA 2013. Regie: Ron Howard, Drehbuch: Peter Morgan, Kamera: Anthony Dod Mantle, Darsteller: Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Olivia Wilde u..a.; 123 Minuten, Farbe. FSK ab 12.