Diese Menschen schauen uns direkt an, sie haben sich frontal in Szene gesetzt für die Kamera Kai Wiedenhöfers, drei Meter hoch sind die Abzüge, die noch bis September an der Touristenattraktion der East Side Gallery zum Spreeufer hin präsentiert werden.

Die Portraits der lebenslänglich Versehrten aus dem syrischen Bürgerkrieg sind brutal, sie schockieren, sie sollen uns erschüttern und wachrütteln. Sie sind ein Appell: Denn Krieg, Geschichte, Politik sind kein e Naturkatastrophen oder göttliche Strafen, alles ist menschengemacht kann durch politische Maßnahmen geändert werden.

Der 1966 geborene Berliner Fotograf Kai Wiedenhöfer, bekannt geworden mit Fotoserien über den palästinensisch-israelischen Konflikt, hat Anfang der 1990er Jahre in Damaskus Arabisch studiert, Seine Fotografien der Kriegsopfer entstanden 2014 und 2015 in Dörfern, Städten und Flüchtlingslagern in Jordanien und dem Libanon.

Laut einem Bericht der WHO wurden 2015 jeden Monat 25.000 Syrer verwundet. 45 Prozent der Opfer sind Kinder und Frauen, bis zu 15 Prozent leiden unter amputierten Gliedmaßen und weiteren bleibenden Behinderungen.

Fast alle haben Angehörige verloren, ihre Heimat, ihren Lebenszusammenhang, und sind schwer traumatisiert. Doch Zahlen sind abstrakt, Menschen nicht.

Kurze prägnante Geschichten erklären, wer auf den Fotos abgebildet ist, wie er oder sie verletzt wurden, wie sie nun überleben. Es sind herzzerreißende Miniaturen über furchtbare Erlebnisse Unschuldiger, die den Atem rauben.