Berlin - Er finde die Wahrheit des Unsensationellen spannend, hat der Fotograf Roger Melis (1940–2009) einmal gesagt. Und angesichts seiner Arbeiten, wie sie derzeit in den Reinbeckhallen in Oberschöneweide zu sehen sind, wirkt dieser Satz wie ein Leitspruch. Der Alltag hat hier einen großen Auftritt, man könnte ihn auch mit dem anspruchsvolleren Wort Lebenswelt bezeichnen, wie es Mathias Bertram tut, Kurator der Ausstellung (Katalog im Lehmstedt-Verlag, Hrsg. Mathias Bertram) und Roger Melis’ Stiefsohn. Seit dessen Tod hütet er das Archiv dieses Mitbegründers des ostdeutschen Fotorealismus. 160 Fotografien aus drei Jahrzehnten hat er in 21 Kapiteln geordnet, „In den Fabriken“, „Kinder“ oder „Auf dem Lande“ lauten Überschriften. Die Retrospektive enthält bislang Ungesehenes, aber auch Porträts von Schriftstellern und Künstlern, mit denen Melis in den Sechzigerjahren bekannt wurde: Sarah Kirsch, wie sie auf ihren Umzugskisten sitzt, Eva Maria Hagen, die in einen geteilten Spiegel blickt, so als wolle sie fragen: Wer bin ich?, Nina Hagen im Jahr 1971.

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