Berlin - Abschied und Willkommen. Mit Blick auf den unwiderruflichen und so gar nicht freiwilligen Abschied der beliebten Fotogalerie C/O aus der Oranienburger Straße in Mitte darf man den alten Goethe durchaus mal umdrehen.

Schließlich gibt es gewisse Parallelen zu „Willkommen und Abschied“, den berühmten Sturm-und Drang-Versen des Dichters – erinnert man nur das lange Hoffen und Warten bei C/O, das Wechselbad der Gefühle bei all den Zu- und Absagen: mal für das Verbleiben der weltberühmten Foto-Instanz am geliebten Ort, dem Alten Postfuhramt, mal für den Umzug in den nahen Monbijoupark und der anschließenden Enttäuschung, weil der Stadtbezirk dies nach vielem Hick-Hack doch nicht erlaubte. Und weder der alte noch der neue Besitzer der begehrten Immobilie, nunmehr die Firma Biotronik, konnten dem C/O, das an diesem Ort 15 Jahre lang nicht nur Freiraum für Kunst, sondern auch für Partys, Club-und Hofkonzerte war, ein Bleibe-Angebot machen.

Verglichen mit Goethes Gedicht lässt sich sogar der furiose Schluss in der Lex C/O. Ist der göttliche Ratschluss und Funke doch nun: Go West. Die alte City nahe Ku’damm nämlich, die der Kunstszene doch so lange als megaout galt, heißt die Vertriebenen willkommen. Das C/O, in dem wir weltbeste Fotografie sahen, logiert künftig im Amerika-Haus am Bahnhof Zoo.

Der Westen leuchtet wieder, neuerdings zieht die Kunstkarawane, die es seit 1990 so eilig hatte, in den befreiten Osten zu kommen, nach Charlottenburg. Mitte, das selbsternannte Kunst-Eldorado, verliert auch etliche andere Galerien an die alte City West, wo neue Hotels eröffnen, was wohl potente Käufer und Sammler verspricht.

Melancholie ist nicht zugelassen, wenn im Hof nun die Umzugscontainer stehen. Der Kunstsinn im alten Postfuhramt ist Geschichte, schon lässt der neue Besitzer im pittoresken Gründerzeit-Foyer die Decke abreißen. Noch einmal aber dürfen alle kommen, auch wenn es keine Fotos mehr zu sehen gibt. Diesen Samstag von 21 Uhr bis open end wird gefeiert. Das alte und das neue Leben von C/O.