Berlin im April 2020.
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Berlin Dieser Frühling ist anders, als er hätte sein sollen. Er zwingt einen großen Teil der Gesellschaft zum Stillstand. Wir haben wieder Künstler gefragt, was sie jetzt gerade tun. Eva Mattes schaut in den Himmel und denkt an alle, die es nicht so gut haben wie sie.  Und auch Norbert Bisky erinnert daran, dass nicht alle entschleunigen können. 

Eva Mattes, Schauspielerin
Foto: Imago/Stephan Görlich

Eva Mattes: Meine Dreharbeiten zu der Miniserie „Da is ja nix“ mit Sebastian Bezzel, meinem wunderbaren ermittelnden Begleiter in 14 „Tatort“- Jahren wurde Mitte März abgebrochen. Aufführungen im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, Lesungen in Köln und Berlin abgesagt, Dreharbeiten zu „Lena Lorenz“ im ZDF verschoben etc. Ich lebe auf dem Dach, ich kann in den Himmel schauen, in der Sonne sitzen, wenn sie scheint. Ich putze meine Wohnung, ich singe, ich tanze, ich lese und ich telefoniere. Ich lache manchmal und manchmal weine ich, ich genieße es, eine Pause zu haben, um zu verschnaufen, ich mache mir keine Sorgen und halte mich an die vorgeschriebenen Regeln, um die Pandemie einzudämmen. Ich denke an die Menschen, die jetzt besonders viel arbeiten, all die Ärzte und Pfleger und Dienstleistenden, die sich in Gefahr begeben, um zu helfen, ich unterschreibe Petitionen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld für diese Berufe und andere und überhaupt. Ich denke immer daran, wie gut es mir geht, weil ich nicht mit meinen Kindern an einer Grenze verharre und weder vor noch zurück darf und weil ich nicht auf der Straße lebe und mich nicht waschen kann. Ich halte daran fest, dass auch diese Krise am Ende etwas Gutes mit sich bringt.

Norbert Bisky, Maler
Foto: Imago/Mauersberger

Norbert Bisky: Dieses Virus ist eine Bestie. Draußen ist Frühling und die Kids kommen nicht raus. Mich ärgert das privilegierte Entschleunigungsgerede zum echt falschen Zeitpunkt. Besinnung, Kritik, Tempo rausnehmen: alles okay, aber angesichts so vieler Toter, voller Intensivstationen und gesperrter Spielplätze? Kind, entschleunige mal? Palliativ-Schwester, mach mal langsam? Toll dagegen finde ich Leute, die jetzt Zuversicht verbreiten und Pläne machen. Die meiste Zeit verbringe ich im Atelier und male, was sonst? Mir fallen dabei keine neunmalklugen Virus-Bilder-Zivilisationskritiken ein. Vielmehr aber, was ich vermisse, die großen und kleinen Freiheiten der Stadt und all die Leute. Im Mai ist Berlin am schönsten. Hoffe, dann können wir wieder raus. Frühling und Gewimmel!