Berlin - Seit drei Wochen talkt nun auch Günther Jauch in der ARD. An insgesamt fünf Abenden in der Woche bittet der Sender nun zum Gespräch. Zu oft? Keineswegs, findet Plasberg - und moderiert erst einmal "Das Quiz der Deutschen" (ARD, 20.15 Uhr, Do, 06.10.2011).

Herr Plasberg, wenn man ein Quiz mit so staatstragendem Namen moderiert, bedarf es da auch eines staatstragenden Moderators?

Nee, aber da ich mich weder durch besonders gutes Aussehen noch Hüftgeschmeidigkeit auszeichne, bedarf es offenbar eines Moderators, der aus dem journalistischen Bereich kommt. Sehen Sie mich an - optisch stehe ich eher außerhalb des Fernsehmainstreams. Und im Bergischen Land ist zudem das Charme-Gen eher homöopathisch verteilt.

Wenn Sie Ihre Herkunft nicht für Showformate prädestiniert - was dann?

Irgendwas Showtaugliches hat der ARD-Unterhaltungschef bei "Hart aber fair" offenbar ausgemacht. Da wird übrigens häufiger gelacht, als sie vielleicht glauben. Außerdem hat meine Neugier über die anfängliche Skepsis gesiegt; also mache nun im dritten Jahr das "Quiz der Deutschen" und vorher schon "Die Klügsten Kinder im Norden". Mir macht der Ausflug Riesenspaß, den Zuschauern offenbar auch.

Spiegelt dieser Erfolg in der Kai-Pflaume-Welt die Sehnsucht des Publikums nach dem alten Typus väterlich-vertrauenswürdiger Showmaster von früher wider?

Ich kann den Zuschauer da auch nicht enträtseln. Aber wenn ein bestimmter Fernsehtypus zur Gewohnheit wird, tut Abwechslung gut, auch wenn ich das Genre in sehr verträglichen Dosen durchzurütteln versuche.

Was Sie Durchrütteln nennen, hat eine Süddeutsche Zeitung Geschmackskonsens einer Kaffeefahrt genannt.

Super! Aber ehrlich: Wenn man Talkshows oder andere Sendungen etwas wie das "Quiz der Deutschen" als Fernsehkritiker in Serie und oft unterbezahlt gucken muss, ruft das automatisch einen kritischeren Umgang hervor. Die Zuschauer genießen Unterhaltung trotz der Gebühren viel entspannter.

Gewärmt vom TV-Lagerfeuer.

Ach, das wird ja nur noch bei "ESC" und "Wetten, dass..?" entfacht. Bei mir vertreiben sich Familien den Abend eher gesellig mit gehobener Heimatkunde, die im besten Fall für Gesprächsstoff sorgt. Mein liebstes Zuschauerlob, morgens in der Kölner Straßenbahn, beginnt mit "isch wollt dat eijentlisch jar nich jekuckt haben, aber…". Da ist einer dran geblieben, einfach weil ihm gefiel, was er gesehen hat. Der lernt etwas deutsche Zeitgeschichte - das ist meinem Kerngeschäft doch ein bisschen näher als eine Kuppelshow. Mein Lagerfeuer ist eher ein Grillabend.

Aber der quotenärmere Grill, die Talkshow, ist Ihnen wichtiger.

Schon, aber auch die ist bei mir nicht unterhaltungsfrei, sonst hätte ich am schwierigen, fußballinfizierten Mittwoch keine 12,9 Prozent Marktanteil. Bei 100 Sendern unterm Diktat der Fernbedienung muss auch seriöses Fernsehen unterhaltsam sein: So wie die Bild mehr als bloß inhaltliche Kaufreize auslösen muss, brauche ich mehr als bloß trockene Sachdebatte. Gerade auf dem neuen Sendeplatz montags, 21 Uhr, wo die Quote der ARD bisher nur bei acht Prozent lag.

Seit elf Jahren machen Sie "Hat aber fair", gerade haben Sie den Vertrag um zwei Jahre verlängert: Wie lange kann man sich für so ein Format motivieren?

Die ARD sorgt ja immer wieder für einen Neustart.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Talkshows im Ersten?

Stimmung, Zuspitzung, Dramaturgie. Die Temperaturen unterscheiden sich.

So sehr, dass es fünf geben muss?

Muss es fünf Automarken geben? Nimmt die Vielzahl der Talkshows nicht auch Druck von den einzelnen, alle zufriedenstellen zu müssen? Das sind philosophische Fragen. Ein Fernsehkritiker, der Programmschemata untersucht, verhält sich anders als Zuschauer, die nach Lebenswelt, Tagesform, Vorlieben einschalten. Der Hauptunterschied ist, dass wir uns als Talkmagazin verstehen und als einzige in der Primetime um 21 Uhr stattfinden. Das ist Chance und Bürde zugleich.

Es wird also nicht zu viel getalkt?

Ich würde mir auch wünschen, es gäbe eine einzige Talkshow, die ich moderiere. Allein - das müsste ich dann in Nordkorea, nicht in einer Mediendemokratie machen. Ich würde mich immer für Vielfalt entscheiden. Die Gefahr der Marginalisierung sehe ich aber auch.

Das Gespräch führte Jan Freitag.