Der Künstler Georg Herold.
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Berlin„Dispersion auf Hartfaserplatte, Inventarnummer 2457, erworben 2015 als Schenkung aus Privatbesitz“, heißt es nüchtern auf der Homepage der digitalen Sammlung des Frankfurter Städelmuseums zu Georg Herolds Werk „Der Ziegelneger“ aus dem Jahr 1981.

Man wusste in Frankfurt, was man da hat. In der Sprache der Museumskuratoren liest sich das so: „Zum typischen Repertoire der deutschen 80er-Jahre-Malerei gehört auch bei Georg Herold die grenzwertige, oft geschmacklos brachiale Provokation. Hier mit einer bewusst politisch unkorrekten Darstellung: Eine aggressive Meute attackiert einen Schwarzen mit einem Ziegelstein. Die Ampel scheint grünes Licht für den Angriff zu geben.“

Herolds Bild ist nun in den Verdacht geraten, offen rassistisch zu sein. Im Kontext der Protestwelle gegen die Tötung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis durch Polizeigewalt ist auch die Kunstwelt von dem Impuls erfasst worden, die Bestände danach zu durchforsten, ob sie rassistische Motive enthalten. In diesem Fall ist das Städelmuseum seitens verschiedener Internetforen dazu aufgefordert worden, das Kunstwerk aus der Sammlung zu entfernen.

Plötzlich erscheint sogar die distanziert-souveräne Sprache der Bildbeschreibung selbst verdächtig. „Auch wenn wir dem Künstler keinen rassistischen Hintergrund unterstellen“, heißt es in der durchaus problembewussten Darstellung des Städelmuseums, „bleiben Titel wie Werk, nimmt man sie beim Wort, eine Zumutung. Und eine Herausforderung sowohl für die kunsthistorische Einordnung als auch für das Ausstellen von Kunst, die sich einem eindeutigen Zugriff oder einer inhaltlichen Aussage bewusst verweigert.“ Die Bereitschaft, Zumutungen auszuhalten, scheint jedoch gesunken. Im Städel gibt man sich in einer aktuellen Stellungnahme zuversichtlich, dass es sich bei Herolds Werk um ein antirassistisches handele. Woher sie diese Sicherheit nehmen, sagt man im Städel nicht.

Der 1947 in Jena geborene Künstler Georg Herold gehörte zeitweilig der Bewegung der „Jungen Wilden“ an, deren grob-expressive Malerei zu Beginn der 80er-Jahre die westdeutsche Kunstwelt verstörte. Tabubruch gehörte dabei zum Spiel, und sei es auch: Rassismus, versuchsweise.

Wer jetzt bemüht ist, sich gegen Herabwürdigungen aller Art neu zu positionieren, hat allein in der Kunstwelt ein gewaltiges Sichtungsprogramm vor sich. Man wird mit der Kunst nicht fertig - und sicher kann man sich in ihr und mit ihr auch nicht sein.