Sina Trinkwalder, Textil-Unternehmerin und Autorin, ist zu Beginn eines Gesprächs auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle auf einem Fernsehmonitor zu sehen. Die corona-bedingte Sonderausgabe 2020 der Buchmesse fand vom 14. bis 18. Oktober 2020 statt.
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Der von Buchmenschen am häufigsten in E-Mails und Videotelefonaten in den vergangenen Tagen geäußerte Satz lautet in Varianten: „Ich hoffe, wir begegnen uns bald wieder direkt.“ Das Fehlen der Frankfurter Buchmesse als Treffpunkt fühlte sich seltsam an, zumal ja im März schon die Leipziger Messe abgesagt worden war. Und doch riss für viele die Absage nicht wirklich ein Loch in den Kalender.

Die Messe, der Börsenverein, die Verlage und Fernsehsender versuchten eine Menge, um so zu tun ‚als ob‘. Nach 7450 aus 104 Ländern angereisten Ausstellern im Jahr 2019 hatten sich nun 4440 Aussteller aus 103 Ländern virtuell registriert. 200.000 User nahmen die virtuellen Angebote auf der Plattform buchmesse.de an, heißt es in der Abschlussmeldung vom Sonntagabend. Im Vergleich dazu waren es im vergangenen Jahr 300.000 Besucher. Und zum Bookfest, der Lesungs- und Gesprächsreihe in Frankfurt am Main, die zum Teil mit Live-Publikum stattfand, zählte die Messe allein am Sonnabend 1,5 Millionen Videoansichten auf Facebook.

Wie viele der Videoformate nicht bloß angeklickt, sondern bis zum Ende geschaut wurden, weiß man nicht. Die ZDF-Sendung „Aspekte“ inszenierte ihre leider letzte Studio-Ausgabe als intensives Gespräch über das Schreiben unter anderem mit der Buchpreis-Trägerin Anne Weber, mit Olivia Wenzel, Bov Bjerg und Bernhard Schlink.

Das Experiment ist geglückt, die Frankfurter Buchmesse ist in seiner digitalen Ausgabe nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, sondern durchaus wahrgenommen worden. Wer wollte, konnte sich in einen ähnlichen Stress begeben wie unter der Vor-Ort-Situation, konnte Debatten, Lesungen und Preisverleihungen in Dauerschleife konsumieren, konnte hin- und herzappen, statt durch die Messehallen zu eilen. Immerhin waren 3.644 Veranstaltungen im digitalen Programm verzeichnet, unerheblich weniger als in der Vorjahresausgabe mit 4000. Die Frankfurter Buchmesse zeigte in ihrer 2020er-Ausgabe, dass auch virtuelle Begegnungen unterhaltsam inszeniert werden können. Daraus kann man lernen für die nächsten Jahre, um Langstreckenflüge zu reduzieren. Und doch lässt sich das direkte Gespräch digital nur schwer ersetzen.