Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, auf der Messe von 2019.
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Eine Tatsache zu verdrängen, mag zeitweilig beruhigen, besser wird die Situation dadurch nie. Vielleicht war das der Grund für Juergen Boos, den Direktor der Frankfurter Buchmesse, auszusprechen, dass die Folgen der Covid-19-Pandemie noch lange andauern werden. Ende Mai sahen die Veranstalter ihr Festhalten an der Messe für 2020 als positives Zeichen. Als sich dann aber nur 750 Aussteller aus 40 Ländern angemeldet hatten, folgte in der vergangenen Woche die Absage. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 7450 Aussteller aus 104 Ländern gewesen. Aller Optimismus verflog.

Der finanzielle Verlust für die Veranstalter ist hoch, Boos spricht gegenüber der dpa von einem Millionenbetrag. Der wirtschaftliche Verlust für die einzelnen Aussteller, die es jetzt weit schwerer haben werden, ihre Titel international weiterzuverkaufen und selbst Neues einzuwerben, lässt sich kaum bemessen. Was den Verlagen seit dem Frühjahr am meisten fehlte, war Öffentlichkeit – die Sichtbarkeit von Büchern. Da sollen ein Online-Programm und einige Live-Auftritte jetzt ein bisschen Ersatz schaffen. Aber Juergen Boos, der sei 2005 die Frankfurter Buchmesse leitet und sie vom wichtigsten Marktplatz der Branche auch hin zum Ideenzentrum entwickelt hat, sagt nun, sie werde sich „dauerhaft verändern“.

Der 59 Jahre alte Buchmessedirektor bereitet die Kulturwelt darauf vor, dass die Zeit der Erfolgsmeldungen hinsichtlich der Aussteller-, Fachbesucher- und Publikumszahlen vorbei sei. Denn klar ist auch: Wer einmal ausgesetzt hat, wird sich hinterher fragen, ob der Verzicht teurer war als der ansonsten zu zahlende Messestand sowie Reise- und Hotelkosten.

Nicht diskutiert wird dabei bisher die Bedeutung der Buchmesse als politischer Ort. Immerhin fehlt nun auch der direkte Kontakt zu Autoren und Verlagsleuten aus Ländern mit Zensur. Es fehlen Podiumsdiskussionen zu brennenden Fragen und andere Formen der Themensetzung. Die Aktion „Für das Wort und die Freiheit“ wird hier sonst vielfältig umgesetzt, im vergangenen Jahr zum Beispiel als Protest mit Regenschirmen. „Die Messe lebt von der Begegnung der Menschen. Das lässt sich nicht virtuell abbilden“, sagt Boos. Er hat leider recht.