Paris - Der französische Philosoph und Publizist André Glucksmann ist tot. Er starb am Montagabend im Alter von 78 Jahren, wie sein Sohn Raphaël Glucksmann am Dienstag über Facebook mitteilte. „Mein erster und bester Freund ist nicht mehr“, schrieb der Regisseur. Sein Vater sei ein guter und genialer Mensch gewesen, mit dem er einfach „alles machen“ und auch „gar nichts machen“ konnte.

Glucksmann gehörte wie auch Bernard-Henri Lévy der Bewegung der „Neuen Philosophen“ an, die sich nach 1968 vom Marxismus abwandten und sich zu massiven Kritikern von Kommunismus und Totalitarismus entwickelten. In Deutschland wurde er vor allem bekannt durch sein 1976 in deutscher Übersetzung erschienenes Buch „Köchin und Menschenfresser“, in dem er unter Einfluss von Solschenizyns „Archipel Gulag“ mit dem Stalinismus abrechnete.

Später weitete er sein antitotalitäres Erklärungsmodell auch auf den Terrorismus an. Immer wieder forderte er zudem westliche Staaten auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten zu intervenieren. Glucksmann war ein guter Kenner der deutschen Philosophie und Kultur und häufig als Interview- und Diskussionpartner in deutschen Medien präsent. (afp)