Wie entsteht Literatur? „Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein, wenn sie Bücher schreiben möchte“, formulierte Virginia Woolf vor 92 Jahren. Gern wird die Forderung auf das Zimmer allein verkürzt, was natürlich schon eine Errungenschaft für sich ist, wenn wir einmal darüber nachdenken, wie viele Männer bis zum heutigen Tage glauben, die Küche sei der dem weiblichen Part in einer Beziehung zugedachte Platz. Doch erst das Geld schafft Unabhängigkeit. Der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) hält es für erfolgversprechend, Woolfs Essay „A Room of One’s Own“ im kommenden Frühjahr neu herauszugeben, in einer zweisprachigen Ausgabe. Tatsächlich: Die Frage, wie die Literatur von Frauen entsteht und wie sie wahrgenommen wird, beschäftigt die deutsche literarische Öffentlichkeit seit einiger Zeit in zunehmendem Maße.

Die von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Auftrag gegebene Studie „Frauen in Kultur und Medien“ belegte es 2016 genauso eindrücklich wie zwei Jahre später die Untersuchung zur „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ der Universität Rostock und die daraus folgende Aktion #Frauenzaehlen: Männer werden leichter als Autoren akzeptiert und veröffentlichen vor allem in den großen Verlagen verhältnismäßig mehr Bücher, die dann zuverlässiger auf Lehrplänen landen. Dass sie mehr Platz in den Medien bekommen, liegt der Rostocker Studie zufolge daran, dass männliche Kritiker bevorzugt Bücher von ihren Geschlechtsgenossen besprechen.

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