Rut Landshoff hatte einen der bekanntesten Bubiköpfe Berlins. In ihrem Cabrio brauste sie durch die Stadt, liebte Männer und Frauen, schrieb für Ullsteinblätter wie Die Dame und Tempo über moderne Frauen bei Zündkerzenwechsel, Wintersport, Flirt oder Tennismatch. Sie formulierte lässig, meist ironisch, oft sehr lustig. Neben zahllosen Artikeln und einigen Gedichten veröffentlichte sie 1930 ihren ersten Roman: Eine sehr junge, sehr selbstbewusste Reporterin reist um die halbe Welt und erlebt allerlei dabei.

Es ist ein zeitgeistiger Text, aber geschlechterpolitisch radikal. Eine Frau ist allein unterwegs, lässt sich von niemandem etwas sagen, hat keine Sorgen und einen interessanten Beruf. Weibliche Attribute der Kaiserzeit wie Empfindsamkeit, Keuschheit und Passivität werden mit Schwung ignoriert, der Ton ist der einer ungemein gutgelaunten neuen Sachlichkeit. Es macht Spaß, das zu lesen, es ist eine Reise mit allen verfügbaren Verkehrsmitteln, sie führt durch Luxushotels, Bars und Villen mit einem Abstecher in die homosexuelle Subkultur New Yorks und einem albernen, nicht ganz ernst zu nehmenden Happy End. Nachdem der gerade mit dem Berliner Verlagspreis geehrte kleine Aviva-Verlag den Roman schon 2001 in die Buchläden brachte, hat ihn mit Rowohlt nun auch ein großer wiederentdeckt.

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