Gastarbeiter aus Vietnam sind am Berliner Ostbahnhof eingetroffen (1973).
Foto: dpa/Horst Sturm

Berlin-Wedding - Ein Konzertsaal zu Zeiten der DDR: Auf der einen Seite sitzen vietnamesische Vertragsarbeiter, auf der anderen musiziert die Lautengilde eines Thüringer Fernmeldewerks.
Der Anlass ist die Begrüßung der neuen Kollegen, sie sollen mit ihrer Arbeit das Werk unterstützen.

Unter dem Stichwort der internationalen Solidarität mit dem sozialistischen Vietnam wurden sie eingeladen und sollen nun zu Facharbeitern ausgebildet werden.

Ein Reporter stellt den jungen Männern Fragen und wird dabei nicht müde, nachzubohren, wer Deutsch sprechen kann.
Der Beitrag, der  im DDR-Fernsehen lief, wirkt gleichermaßen übergriffig wie utopisch.

Die Gesichter der Musiker werden immer wieder den Gesichtern der Vertragsarbeiter gegenübergestellt, als blickten sie sich innig und voll unverbrüchlicher Freundschaft an. Merke: Im Sozialismus sind sich alle nah.

Seit Anfang der 50er-Jahre hatten Vertragsarbeiter und -arbeiterinnen sowie ausländische Studierende zum internationalistischen Image und zum Wohlstand der DDR beigetragen. Mit dem Fall der Mauer wurden die Kollegen praktisch über Nacht Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt und nicht selten auch Adressaten von verbaler und physischer Gewalt.

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