Friederike Kempter spielte 17 Jahre an der Seite von Jan Josef Liefers (l.) und Axel Prahl im Münster-„Tatort“.  
Foto: imago images/Sven Simon

BerlinGerade sah es noch so aus, als hätte Nadeschda Krusenstern in ihrem traurigen Entführerbärchen Artjam endlich einen Freund fürs Münsteraner Leben gefunden, da ist auch alles schon wieder vorbei. Nach dem nächsten „Tatort“ mit Boerne und Thiel wird Friederike Kempter die Krimireihe verlassen, wie sie kurz nach der glühweingetränkten und natürlich auch wieder quotensatten Weihnachtfolge bekannt gab. 

Seit 17 Jahren stand die Schauspielerin aus Berlin den kalauernden Egomännchen zur Seite, ein Job, in dem sie es von der Praktikantin, über die Assistentin bis zur Kommissarin gebracht hat. Als das Münster-Projekt 2002 startete, konnte niemand ahnen, dass diese TV-Groteske um einen notorisch schlecht gelaunten Kriminalisten und einen versnobten Pathologen einmal ein derartiger Renner werden würde. Damals war Friederike Kempter 23 Jahre alt, heute ist sie vierzig und seit einem Jahr auch Mutter. Da können sich Ansprüche an den Beruf schon mal ändern.

Als dramaturgisches Scharnier zwischen den beiden Alphafiguren Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) hatte es Friederike Kempters Nadeschda naturgemäß nicht leicht, ihre Rolle zu finden. Das hängt ja immer auch vom Drehbuch ab. Manchmal kam sie über die Stichwortgeberin kaum hinaus, aber gerade zuletzt durfte sie ein bisschen persönlich werden und ihr Russisch kam dabei auch immer besser zur Geltung. Die Familie an der Wolga, das Liebäugeln mit einer Liebe, der Wodka, die Lieder, die Seele. Und nun soll Schluss sein.

Emanzipation vom „Tatort“ eigentlich nicht nötig

Friederike Kempter, die nicht von der Wolga, sondern vom Neckar stammt, hat es eigentlich nicht nötig, sich vom „Tatort“ zu emanzipieren. Das ist sie schon längst. Es merkt nur kaum einer. Ihre Miniaturen in den Kinofilmen „Oh Boy“ und „Lara“, beides hochgelobte Arbeiten ihres Lebensgefährten Jan-Ole Gerster, sind eben genau das: Miniaturen. Es ist an der Zeit für den Hauptakt.

Nadeschda heißt Hoffnung und so ist es nicht übertrieben, wenn man mit dem Ausstieg ihrer Nadeschda beim „Tatort“ die Hoffnung verbindet, dass sich recht bald eine Rolle für Friederike Kempter ergeben wird, in der sie ihren Witz und ihren Charme abendfüllend ausspielen darf.