Friedrich Hebbel schrieb Sätze wie diesen: „Die Geschichte der Menschheit macht zuweilen einen Eindruck, als ob sie der Traum eines Raubtieres wäre“ − und zwar zu einer Zeit, als der um fünf Jahre jüngere Karl Marx Theorien entwickelte, mit denen bewaffnet man in den Bauch der Geschichte wie in einen Maschinenraum steigen und dort ihren Lauf beeinflussen kann. Hebbel, der heute vor zweihundert Jahren geborene große Dramatiker, Lyriker, Tagebuchschreiber, Menschen- und Unglückskenner, sah das umgekehrt: Der Mensch, dieses unauflöslich in Widersprüchen gefangene Wesen, kann nur untergehen, egal, wie sehr er sich gegen den Lauf der Dinge stemmen mag.

In minutiös gebauten Dramen (die meist Trauerspiele also Tragödien waren) exerzierte Hebbel diesen Befund mit mathematischer Präzision immer wieder durch. So 1851 in der Geschichte der schönen Bürgerstochter Agnes Bernauer, die standesungemäß von einem bayerischen Herzogssohn geheiratet und am Ende von dessen Vater zum Tode verurteilt wird, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. So gnadenlos hat selten ein Dramatiker seine Figur einer höheren Raison geopfert.

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