Große Hoffnungen enden, so scheint es, bei der Jahreszahl 2013 in einem Trauerspiel. Die Kulturverwaltung des Berliner Senats teilte dieser Tage der Fritz-Kühn-Gesellschaft und den Erben „mit Bedauern“ mit, dass der große – und nebenbei auch kostbare – Nachlass des berühmten Ost-Berliner Metallbildhauers und Fotografen Fritz Kühn (1910-1967) keine museale Objektförderung erhält, so sehr die Kulturpolitik dies über Jahre auch befürwortet, zunächst sogar Finanzanträge gestellt hatte.

Der Künstler, dessen Werk in seinem reduzierten Avantgarde-Stil zum „Nationalen Kulturerbe“ zählt und den der Pariser Louvre 1969 postum mit einer Retrospektive ehrte, hatte nach 1945 ein Metallkunst-Refugium am östlichen Berliner Stadtrand auf einem ehemaligen preußischen Vierseithof gegründet. Dort betreibt sein Sohn Achim Kühn noch eine international geschätzte Metallwerkstatt. Auf deren beengten Raum aber lässt sich der überbordende väterliche Nachlass nicht sachgemäß bewahren, bearbeiten, geschweige denn angemessen ausstellen.

Das Gelände, auf dem ein Neubau für das Kühn-Werk entstehen könnte, gehört einer Eigentümergesellschaft, die würde an die Kühn-Gesellschaft oder an das Land Berlin verkaufen, wartet aber nur noch bis Ende 2013, dann bekommen andere den Zuschlag: Es wäre das endgültige Aus für das Museums-Projekt! Hunderte Kunstwerke (darunter auch die Sammlung Fritz Kühns von persönlich geretteten Schmiedekunst-Werken und Plastiken aus dem gesprengten Berliner Stadtschloss), dazu Fotografien, Skizzen und zahllose Dokumente lagern seit Jahrzehnten unwürdig in Garagen, Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit ausgesetzt.

Ein Haus für den Nachlass dieses experimentellen Metall-Zauberers der Nachkriegsmoderne und Fotografen der Neuen Sachlichkeit war seit Langem im Gespräch. Die 2004 gegründete Fritz-Kühn-Gesellschaft will 20 Prozent der Bausumme (eine Million Euro) tragen; es fehlen derzeit 600 000 Euro, an denen das Projekt nun zu scheitern droht, denn Land und Bund erwägen nicht einmal eine Mischfinanzierung (wie zum Beispiel beim Bollhagen-Museum) und auch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie gibt kein Geld für das, was zuerst auch Berlins Kulturpolitik für nötig und möglich erachtet hatte – einen öffentlichen Ort für die Kunst des Universalisten.

Skulpturen in 50 Städten

Fritz Kühn schrieb Kunstgeschichte: Ihm gelang ein innovatives Verfahren bei der Oberflächenbearbeitung von Metallen, in seiner Wirkung dem Tachismus oder der informellen Malerei unähnlich. An der Berliner Stadtbibliothek prangt sein changierendes A-BuchstabenPortal. Und am Strausberger Platz sprudelt Kühns grandioser Brunnen. In 50 Städten der alten Bundesrepublik – in Kirchen, Museen, auf Plätzen – stehen Kühns Skulpturen.

Er scherte sich zu kultur-stalinistischer DDR-Zeit nicht um Dogmen und Kunst-Debatten, weder um die Abstraktion im Westen, noch um den Realismus-Formalismus-Streit im Osten. Desinteresse hat Kühn nicht verdient; es bleibt wohl nur die Möglichkeit, seine Erbe mit privatem Engagement – einem Sponsor – öffentlich zu machen.