Martin Gore, Dave Gahan und Andrew Fletcher (v. l.) sind Depeche Mode.
Foto: Sony Music

BerlinDaniel hat sich stets an seiner Familie orientiert. „Was auch immer sie mochten, ich mochte es. Was auch immer sie sagten, ich tat es“, sagt er. Doch das ging nicht lange gut. Umso älter der Brasilianer wurde, um so mehr wurde ihm bewusst, dass er mit seinen Vorstellungen der gleichgeschlechtigen Liebe nicht in das religiös-konservative Weltbild seiner Eltern passte. 

Deshalb brach er irgendwann aus, weit weg, in die Hauptstadt der Depeche-Mode-Fans, wie er sagt. Nach Berlin. Denn dort sammeln sich Geschichten wie die von Daniel: Fans, die in Krisenzeiten Kraft durch die Musik von Depeche Mode gewinnen. Fans, die sich durch die Lieder von Martin Gore, Dave Gahan und Andrew Fletcher untereinander verbunden fühlen. Und Fans, die dafür gemeinsam zu Konzerten reisen. So erzählt es zumindest Anton Corbijn in seiner Konzertdokumentation „Spirits in the Forest“, die nun auf DVD erschienen ist.

Der niederländische Fotograf und Filmemacher, der wiederholt mit der britischen Synth-Rockband zusammengearbeitet hat, hat bei den zwei Auftritten in der Berliner Waldbühne von 2018 sechs internationale Konzertgänger porträtiert, die von Depeche Mode und deren Einfluss auf ihr Leben berichten. Im Vorfeld konnten sie sich eigens dafür bewerben. Entstanden ist dann eine dichte Beschreibung der Devotees, wie sich die Fans selbst nennen. Es ist unbedingt das erste, an das man denkt, wenn man auf die 40-jährige Bandgeschichte blickt.

„Live Spirits“ enthält Live-Versionen von „Insight“ und „World In My Eyes“

Doch mit dem dazu gehörigen Live-Album „Live Spirits“ bekommt die Dokumentation, die von der Leidenschaft derer erzählt, die eine Band letztlich nicht steuern kann, eine schöne Ergänzung. 21 Lieder sind auf dem Album enthalten. Von „Just Can’t Get Enough“ über „It’s No Good“ bis hin zu dem protestierenden „Where’s the Revolution“. Und sogar die Klassiker „Insight“, „World In My Eyes“ und „I Want You Now“ sind erstmals als Live-Version zu hören.

In Corbijns Film sind bei den Auftritten dann meist die sechs ausgewählten Fans zu sehen. Und wenn etwa Daniel von seinem Outing erzählt, wird die Performance zu „Walking in My Shoes“ gegengeschnitten – aus verschiedenen Blickwinkeln und mit einem satten Sound, der ebenfalls auf dem Album zu finden ist.

Ob der Film wie die erste Devotee-Konzertdokumentation „101“ zum Klassiker werden kann? Während „101“ den Durchbruch der Band in den USA markierte, hält „Spirits In The Forest“ das Ende einer weiteren langen Welttournee fest – Berlin wird darin als Ort gezeigt, mit dem Depeche Mode einiges zu verbinden scheint, letztlich fungiert es aber nur als Kulisse.

Depeche Mode – „Spirits in the Forest“ (Columbia/Sony Music), erscheint am 26. Juni, 25 Euro