Mit Regenschirmen beteiligen sich zahlreiche Menschen auf der Buchmesse an einer Mahnwache für die Meinungsfreiheit. Dabei ging es in erster Linie um ein Zeichen der Solidarität für den in China inhaftierten Autor Gui Minhai.
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Frankfurt/M.Es regnet nicht in Frankfurt am Main, doch auf der Agora, dem Freigelände zwischen den Messehallen, spannen am Donnerstagmittag ein paar Dutzend Menschen Regenschirme auf. Einige sind gelb, die meisten sind schwarz, tragen in Weiß das Logo es Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und die Zeile #FreeTheWords. Es ist eine Solidaritätskundgebung für den schwedisch-Hongkonger Autor, Verleger und Buchhändler Gui Minhai, der vor vier Jahren während einer Reise in China festgenommen wurde.

Die Buchmesse ist stets auch ein politisches Podium

Der Börsenverein nutzt den Schirm als Symbol der Hongkonger Freiheitsbewegung. Die Informationen über Gui Minhai sind spärlich, das chinesische Fernsehen verbreitete ein Geständnis von ihm in Zusammenhang mit einem Autounfall. Seine Tochter, in Schweden geboren und aufgewachsen, wohin der Autor 1989 ins Exil ging, wurde gedrängt, sich nicht mehr an die Öffentlichkeit zu wenden. Doch als die US-amerikanische Autorin Jennifer Clement die provisorische Bühne neben dem Lesezelt betritt, trägt sie eine Botschaft von Angela Gui vor, es ist ihr Dank für diesen Protest.

Clement erklärt das als selbstverständlich, sie steht der Schriftstellervereinigung PEN vor. Sogar Liao Yiwu, der selbst vier Jahre in China inhaftiert war, ist gekommen. Und der Börsenvereins-Geschäftsführer Alexander Skipis sagt: „Nur wenn wir uns für unsere freiheitlichen Werte einsetzen, bleiben sie lebendig.“ Die Buchmesse ist stets auch ein politisches Podium. Skipis fordert von der deutschen Bundesregierung, demokratische Werte nicht wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen: „Sie muss kompromisslos Position für die Freiheit beziehen – in China, in der Türkei, in Saudi-Arabien und weltweit.“

Bitte nicht zu viel Papier!

Zuvor gab es im schönen Frankfurt-Pavillon, der wie eine weiße Muschel auf dem Gelände gestrandet ist, einen Blick in die Zukunft. Das Team für Gastlandauftritt 2020, Kanada, stellte sich vor. Dessen Chefin sowie die stellvertretende Ministerin für Kulturerbe und auch drei zum Gespräch eingeladenen Autoren wurden nicht müde, die Vielfalt der Meinungen und der Identitäten in ihrem Land als Lebensmodell zu preisen.

Und während auf der Messe nicht nur Bücher aus Papier überall stehen, sondern auch viel bedrucktes Papier von und an Buchhändler, Verlagsleute, Agenten verteilt wird, verließen die Presseleute den Kanada-Auftritt gerade mal mit einem Lesezeichen. Darauf notiert ist der Internet-Link zum Informationsmaterial. Kanada verzichtet aus ökologischen Gründen auf Pressemappen.

Ob das die deutsche „Fridays-for-Future-Organisatorin“ Luisa Neubauer mitbekommen hat? Seit Mittwoch ist das Buch „Vom Ende der Klimakrise“, das sie mit Alexander Repenning geschrieben hat, im Handel. Sie hat laut Veranstaltungskalender acht öffentliche Auftritte in diesen Messetagen. Wer bietet mehr? Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss, dem in zwei Wochen der Büchnerpreis überreicht wird. Die Literatur ist eben auch wichtig hier.