Gabor Steingart hält sich für einen besonders unabhängigen Journalisten, ist aber manchmal etwas vergesslich.
Foto: Müller-Stauffenberg/Imago Images

BerlinWas macht eigentlich Mathias Döpfner? Der meinungsfreudige Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer (Bild, Welt) hat sich in allerjüngster Vergangenheit mit relevanten Wortmeldungen ein wenig zurückgehalten. Dennoch mochte der Publizist Gabor Steingart in der aktuellen Dienstagsausgabe seines Newsletters „Morning Briefing“ nicht auf Weisheiten des Verlagsmanagers verzichten. Er zitierte in großen Lettern einfach aus einem Interview, das Döpfner dem „Spiegel“ bereits im vergangenen Jahr gegeben hatte.

In dem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin konstatierte der Springer-Chef damals, dass sich die Räume des Sagbaren verengt hätten. Auch dank des Döpfner-Interviews wurde dieses ursprünglich im rechtspopulistischen Milieu angesiedelte Narrativ in bürgerlichen Kreisen heimisch.

Neben seinem Kronzeugen Döpfner führt Steingart noch ein paar andere Persönlichkeiten wie etwa den Comedian Dieter Nuhr an, die ebenfalls der Meinung sind, heutzutage dürfe nicht mehr alles gesagt werden, um dann irgendwie bei dem Publizisten Christoph Giesa und dessen neuen Buch „Echte Helden, falsche Helden“ zu landen. Darin geht es erstaunlicherweise um Strategien „gegen Populisten“. Der Leser erfährt schließlich, dass Steingart mit Giesa in seinem Podcast – das ist offenbar Sinn und Zweck dieses „Morning Briefing“-Eintrags – über dessen neues Buch gesprochen hat.

Doch weshalb die langwierige Hinführung über das alte Döpfner-Interview? Döpfner und Steingart – war da nicht was? Richtig, Döpfners Medienhaus ist Steingarts Hauptfinanzier. Springer hält 36 Prozent an Steingarts Unternehmen Media Pioneer, das neben dem „Morning Briefing“ noch diverse andere Podcasts und Newsletter herausbringt und ein sogenanntes Redaktionsschiff durch das Berliner Regierungsviertel schippern lässt. Weitere zehn Prozent der Medienfirma liegen ebenfalls bei Springer. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt an Leser der Produkte von Media Pioneer weitergerecht werden.

Bei der netten Referenz an Döpfner hat Steingart vergessen, auf dessen Rolle als Geldgeber hinzuweisen. Aber bestimmt war das nur ein Versehen. Denn Steingart ist ein ganz besonders unabhängiger Publizist, dessen Firma Media Pioneer verzichtet, um diese Unabhängigkeit nicht zu gefährden, komplett auf Werbung.

Also, nicht so ganz komplett. Sponsoring findet Steingart offenbar völlig okay. Im Juli fand die Zeit heraus, dass sieben Firmen Media Pioneer mit Produkten und Dienstleistungen unterstützen. RWE etwa beliefert Steingarts Redaktionsschiff mit Strom zum Nulltarif. Und dass Steingart RWE-Chef Rolf Martin Schmitz dieses Jahr schon zweimal in seinem „Morning Briefing“-Podcast interviewte, war bestimmt auch nur ein Zufall.