Berlin - So heiter geriet schon lange keine Ausstellung der Galerie Parterre. Bunt, ein wenig surreal thronen, ja balancieren die beiden aus geometrischen Farbflächen geformten „Türme“ der Berlinerin Marlene Gaßmann auf dem Papier. Die beiden, der Dicke und der Dünne, scheinen auf komische Weise miteinander zu kommunizieren. Es bleibt offen, wer das letzte Wort hat. Auf jeden Fall wird die Fantasie es haben. Darauf beharrt die Zeichenkunst, die in dieser kommunalen Galerie in Prenzlauer Berg schon seit 20 Jahren ein Forum, einen Schutzort, eine beliebte Bühne hat.

Vielleicht ist es Erleichterung, wohl auch ein wenig Trotz. Jedenfalls durchzieht diese ganze Ausstellung von sechs malenden Zeichnern – oder zeichnenden Malern, wie immer man will – eine sommerliche Heiterkeit: Die Motive wirken sanft, gedämpft, herb-poetisch, gelassen, vergnüglich und sinnlich. „Sommertime“ ist wieder ein Paradebeispiel der facettenreichen Kunst der (berlinischen) Linien und Farbfelder.

Die sie ziehen oder ausmalen, heißen neben Marlene Gaßmann: Sabine Peuckert, Karsta Lipp, Marco Kaufmann, Volker Barthmuß, Michael Augustinski. Sie alle brachten ihren Sommertags- oder Sommernachtstraum zu Papier, abstrakt und figürlich, hell und dunkel, witzig, sachlich oder sehnsüchtig.

Es gäbe diese schöne leichte Ausstellung nicht, wäre es nach den zum Sparen verdonnerten, deshalb fast zum letzten Mittel gezwungenen Stadtbezirkspolitikern von Pankow/Prenzlauer Berg gegangen. Schon drohte das Aus. Protest und Solidarität im Frühsommer erzwangen die bessere Einsicht. Der Ort wird gebraucht. Er bietet jedermann, ohne Eintrittsgeld, Kunst als „Lebensmittel“. Er bleibt. Und das feiert jetzt „Sommertime“.

Galerie Parterre, Danziger Str. 101. Bis 9.9., Mi, Fr, Sa, So 13–21/Do 10–22 Uhr.