Berliner Galerien holen Gallery Weekend mit Vollpower nach

Das Gallery Weekend im Mai war wegen der Corona-Auflagen noch ein regionales Unterfangen. Nun reisen ausländische Sammler zum Summer Special an.

Tiermaler Walton Ford überrascht mit suggestiven Gemälden wie „Detested“, 2020 in der Galerie Max Hetzler. <br><br>
Tiermaler Walton Ford überrascht mit suggestiven Gemälden wie „Detested“, 2020 in der Galerie Max Hetzler.

Walton Ford/Galerie Max Hetzler/ Tom Powel Imaging

Das Kunst-Eichhörnchen nährt sich nur mühsam, wenn die Szene unter sich bleiben muss. Mag Berlin auch mehr Galerien haben als offene Bürgerämter, ist die kauffreudige und zahlungskräftige Sammlerschaft hier doch noch in der Minderheit. Mit einer Mischung aus Courage und Hoffnung haben 50 Berliner Kerngalerien am ersten Maiwochenende ihr Bestes gegeben, um den hiesigen Kunsthandel nach langem Lockdown wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Es gelang. Freilich bloß regional. Nur eine kleine globale Sammlerschaft, Museumsleute, Kunstvermittler, ließen sich sehen, weil kaum Flugzeuge landeten, Berlins Hotels, Restaurants, Bars und die Museen noch dicht und die Zusammenkunft vieler Menschen nicht erlaubt waren.

&nbsp;Ab Wochenende einer neuer Kunstort in Berlin: „Amtsalon“ im ehemaligen Amtsgericht Charlottenburg&nbsp;
Ab Wochenende einer neuer Kunstort in Berlin: „Amtsalon“ im ehemaligen Amtsgericht Charlottenburg Gerd Engelsmann

An diesem Wochenende holen Berlins wichtigste Kunsthändler das Entbehrte nach, für Jedermann aus Nah und Fern, mit einem „Summer Special“ vom 18. bis 20. Juni, immer von 12 bis 19 Uhr. Anders als vor sieben Wochen müssen Besucher nun für den Rundgang quer durch die Galerien-Szene der Stadt keinen negativen Corona-Test mehr vorweisen. Die FFP2-Maskenpflicht gilt weiterhin. Viele der am Anfang Mai eröffneten Ausstellungen sind nun sozusagen auf den letzten Drücker zu sehen.

Und es kommen neue hinzu, so die Arbeiten von Isabell Heimerdinger und Jonathan Monk in der Galerie Mehdi Chouakri, eine spektakuläre elektronische Installation von Birgit Brenner bei Eigen+Art, magnetisierende Tierbilder des Malers Walton Ford bei Max Hetzler, Text-Installationen von Karl Holmqvist in der Galerie Neu, packende Video-Werke von Trisha Baga in der Galerie Société. Die junge Amerikanerin hatte zur hochdramatischen US-Wahl im November 2020 das Fridericianum der Documenta-Stadt Kassel mit dystopischen Bildern aus Trumps  verheerender Amtszeit überzogen und weckte zugleich mit „Hope" Hoffnung auf das Kommende. Das positive Orakel hat sich erfüllt.

Und es wird zum Summer Special einen neuen Kunstort geben: Das ehemalige Amtsgericht Charlottenburg, Kantstraße 79, dient vom 17. bis 24. Juni zunächst für acht Tage als ein Pop-up von vierundzwanzig Berliner Galerien, die den „Amtsalon“ neben Etabliertem auch für ihre jungen Neuentdeckungen als Labor ausprobieren. Das imposante denkmalgeschützte Gebäude von 1896 wurde bis vor gut zehn Jahren noch als Grundbuchamt genutzt und kürzlich von Grüntuch Ernst Architekten in einen multidisziplinären Raum für Kunst, Architektur und Design verwandelt. Als Plattform für temporäre Projekträume der mittlerweile überbordenden, jedoch immer mehr raumnotgeplagten Berliner Kunstszene.

Infos: www.gallery-weekend-berlin.de