Es ist der Moment davor oder der Augenblick danach, aber nicht das Verbrechen selbst, was Matthias Gálvez interessiert. Er malt, das kann man jetzt an den Wänden der Galerie Rosendahl, Thöne & Westphal am Kurfürstendamm deutlich sehen, die Mordlust.
Bei „Jakob und Esau“ sitzen die Zwillingsbrüder in einer auf den ersten Blick idyllisch anmutenden Szene aus Birken und Blumen. Jakob lümmelt entspannt auf der Decke mit Picknickkorb. Neben ihm sitzt Esau und betrachtet das Messer in seiner Hand. „Es hätte auch ein Holzstück sein können, ich wollte ihm nur irgendetwas in die Hand geben“ versucht der 37-jährige Maler einer allzu geradlinigen Interpretation zu entkommen.

Es ist aber ein Messer! Man meint, in Esaus Blick lesen zu können, was er damit vorhat. Jakob ist auch nicht recht friedfertig, wie sein süffisantes Lächeln verrät. Im Picknickkorb liegen weder Früchte noch Kuchen. Bei diesem Ausflug gibt es nichts zu essen außer einer überreifen, vergorenen, vermutlich ungenießbaren Melone. Der Korb ist nur mit leeren Bierflaschen gefüllt. Langeweile flirrt in der Luft. Diese beiden spüren nichts. Nur ein Verbrechen könnte ihnen helfen, Gefühle zu erlangen.

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