Berlin - Wenn von religiösen Erfahrungen die Rede ist, von dem, was Glauben im Kern ausmacht, spüre ich schnell ein Unbehagen, einen Widerstand in mir. Und das nicht, weil mir solche Erfahrungen fremd wären – vielmehr deshalb, weil die empfundene Anwesenheit Gottes ein zutiefst intimer Moment ist. Ja, ich behaupte sogar: Je intensiver, umfassender, ekstatischer die Erfahrung einer göttlichen Präsenz ist, desto hermetischer ist dieses Erlebnis, desto schwieriger, später davon zu berichten. Wenn das überhaupt gelingt. Und auch davon zu erzählen – in Worten, Tönen oder Farben –, ist nicht das Gleiche, ist ein versuchtes Wieder-Holen, ist Andeuten und Hinführen, ist im besten Fall der Auslöser einer neuen, intensiven Erfahrung, aber niemals das, was der Wiederholung zugrunde liegt.

Nathan der Weise

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