Berlin - Er sagte: „Die Kosten der Freiheit sind geringer als der Preis der Unterdrückung.“ Und: „Entweder wird Amerika die Ignoranz auslöschen oder die Ignoranz wird Amerika auslöschen.“ Und: „Die Kunst besteht nicht nur aus Kunstwerken; sie besteht auch aus dem Geist, der Schönheit erkennt, der von Musik erfüllt ist und unter seinem Kopftuch die Farbe des Sonnenuntergangs trägt, der auf einer lodernden Welt zu tanzen versteht und sie, die Welt, ebenso zu tanzen lehrt.“ Und: „Das Problem des 20. Jahrhunderts ist das Problem der Hautfarbe.“

Er sagte es natürlich auf Englisch. William Edward Burghardt Du Bois, geboren 1868 in Massachusetts und 1963 in Ghana gestorben, war Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, Schriftsteller und Politiker, Amerikaner und Afrikaner, und ein Pionier der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In den Jahren 1892 bis 1894 studierte er in Deutschland an den Universitäten in Berlin und Heidelberg, wo er auch den Soziologen und Ökonomen Max Weber kennenlernte, mit dem Du Bois sich später, als er als erster Schwarzer in Harvard promoviert hatte (über den transatlantischen Sklavenhandel), über Jahre hin austauschte.

Der Name Du Bois geht auf einen Sklavenhalter hugenottischer Herkunft zurück

Als Du Bois in Berlin lebte, wohnte er in der Oranienstraße 130, östlich des heutigen Waldeckparks, der, ehemals ein Pest-Friedhof, schon damals eine Grünfläche war. Am 27. August, dem 56. Todestag von Du Bois, weihen die Kulturverwaltung und die Historische Kommission an dieser Stelle, an der heute ein dreistöckiges Nachkriegsgebäude steht, eine Gedenktafel ein.

In der Tat ist die Erinnerung an diesen Universalgelehrten, dessen Name auf die hugenottische Herkunft des Sklavenhalters zurückgeht, der im Besitz eines aus Haiti eingewanderten Vorfahren von ihm war, mehr als lohnend. In seinem 1903 veröffentlichten Hauptwerk „The Souls of Black Folk“ schildert Du Bois die Situation der schwarzen Bevölkerung in den USA, die nach dem Bürgerkrieg zwar der Sklaverei entronnen war, aber weiter unter ökonomischer Abhängigkeit, politischer Unterdrückung und gesellschaftlicher Ächtung litt.

Obwohl dieses Buch international ein Bestseller wurde und auch von Max Weber als „brillant“ bezeichnet wurde, musste es auf seine deutsche Übersetzung hundert Jahre warten. Die Freiburger Orange-Press brachte „Die Seelen der Schwarzen“ 2003 in der Übersetzung von Jürgen Meyer-Wendt heraus, inzwischen ist es schon wieder vergriffen.

Dass man sich vor allem im Spiegel der Herablassung anderer wahrnehme, führe zu einer „Zweiheit"

Zu den wichtigsten Erkenntnissen darin gehört, dass die Unterdrückung zu einem „doppelten Bewusstsein“ der Afroamerikaner geführt habe. Dass man sich vor allem im Spiegel der Herablassung anderer wahrnehme, führe zu einer „Zweiheit“: „Zwei Seelen, zwei Gedanken, zwei unversöhnte Streben, zwei sich bekämpfende Vorstellungen in einem dunklen Körper, den Ausdauer und Stärke allein vor dem Zerreißen bewahren.“

1909 war Du Bois Mitgründer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung NAACP, die es noch heute gibt. Am Ende seines Lebens siedelte er nach Ghana um, wo er die Arbeit an einer afrozentrischen Enzyklopädie begann, der „Encyclopedia Africana“, die später von Kwame Anthony Appiah und Henry Louis Gates fortgesetzt wurde und inzwischen 3500 Stichworte in fünf Bänden umfasst. Die Encyklopædia Brittanica hat 65.000 Stichworte in 32 Bänden.