Gefangene in einer Justizvollzugsanstalt.
Foto: Thomas Köhler

BerlinDer Trend geht ja zu positiven Nachrichten, um der Leserschaft insbesondere am Wochenende ein kleines kaufanreizendes Wohlfühlerlebnis zu verschaffen. Natürlich darf das Sujet dennoch nicht langweilig sein. Wie wäre es mit dieser Meldung aus dem russischen Strafvollzug: Die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass verbreitete am Donnerstag die Ergebnisse einer Studie, die der Föderale Strafvollzugsdienst der Russischen Föderation (FSIN) im Rahmen einer landesweiten Kampagne mit dem Titel „Bücher sind deine Freunde“ auflegte.

Und hier ist sie schon, die Top drei, der meistausgeliehenen Titel in russischen Gefängnissen: Platz 1: „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow, Platz 2: „Verbrechen und Strafe“ von Fjodor Dostojewski und Platz 3: „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas. Besonders der Dostojewski-Roman, der von den Gewissensqualen des Mörders Raskolnikow handelt, könnte zur Rehabilitation beitragen. Siehe diese Schlüsselszene aus der Verfilmung von Lew Kulidschanow (1969).

Der Studie zufolge sind in Männergefängnissen historische Bücher, Abenteuer, Kriminalgeschichten besonders gefragt, während weibliche Sträflinge eher zu Liebesromanen greifen. Als freier Mensch hört man den Samowar schon gemütlich brodeln und sehnt sich im Getriebe des Alltags nach Schmökerzeit.

Der eigentliche Zweck der Studie besteht wohl eher darin, die bitteren Klischees von den Haftbedingungen in russischen Anstalten einzuordnen, wie sie vor allem in der westlichen Öffentlichkeit Verbreitung finden. Die Behörde kann mit den erhobenen Zahlen belegen: Den Insassinnen und Insassen stehen in landesweit über tausend Gefängnisbibliotheken ungefähr fünf Millionen Bücher zur Verfügung. Das sind im Durchschnitt über hundert Bücher pro Kopf. Zum Vergleich: In deutschen Hotelzimmern wird üblicherweise lediglich ein einziger Titel pro Insasse, pardon, Gast bereitgehalten, nämlich das Neue Testament.