Von der Gefängnisatmosphäre bleibt auf dem Bildschirm nichts übrig. 
Foto: Thomas Aurin

BerlinBeethoven im Knast? Warum nicht, wird doch zum einen in diesem Jahr der 250. Geburtstag des Komponisten gefeiert, zum anderen spielt seine Oper „Fidelio“ schließlich in einem Staatsgefängnis. Davon ausgehend hat das Theater aufBruch im Februar seine Version von „Fidelio“ herausgebracht. Über zwanzig Produktionen hat dieses Gefangenentheater schon unter schwierigen Bedingungen zwischen Kunstanspruch und Kittchen realisiert, darunter Stücke von Shakespeare, Kleist oder Heiner Müller.

Für das wegen der Musik natürlich besonders anspruchsvolle Opernprojekt ging man eine Kooperation mit der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ ein. Als musikalischer Leiter hat Philharmoniker-Schlagzeuger Simon Rössler eine charmant-originelle Mischung mit unterschiedlichsten Werken Beethovens zusammengestellt.

Mal im Chor, mal solistisch folgen die siebzehn JVA-Insassen der Oper und vertrauen ihr als künstlerischer Herzensangelegenheit. Sie verwandeln sich die Figuren, die Geschichten, die Melodien, die ihnen die fabelhaften Instrumentalisten ausbreiten, mit Inbrunst an. Unsentimental wie direkt lassen die Laien immer wieder eine Ahnung vom Prinzip Hoffnung spürbar werden, das Beethoven in seine einzige Oper hineingewoben hat. Die Gesangseinlagen, die aktualisierten Rezitative, ein paar eingefügte Texte verbinden sich in der Regie von Peter Atanassow zu einer klugen, bewegenden, oft witzigen und stets kunstvollen Inszenierung.

Wenn nicht jeder Ton, nicht jede Harmonie stimmt, stört das nicht weiter, denn die Haltung und die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks überzeugen und prägen den rund zweistündigen Abend. Zumindest war das im Gefängnis so, als das Publikum im historischen Backsteinbau von 1898 Platz fand. Es war kalt, ungemütlich und bedrückend. Nun ist die Produktion, die wegen der Corona-Pandemie nicht mehr gespielt werden kann, im RBB nachzuverfolgen. Das wäre im Grunde zu loben – hätte man sich der Aufzeichnung bloß kompetenter und liebevoller gewidmet. Die reale, beklemmende räumliche Situation ist kaum nachvollziehbar und wird – gänzlich unatmosphärisch – höchstens gestreift. Die gesamte Bildgestaltung ist einfallslos, die Tonspur ist geradezu dilettantisch unrund. Eine kleine Einleitung hätte dem bestimmt gut gemeinten (aber schlecht gemachten) Film sehr geholfen, um auf die speziellen Umstände der Aufführung wie des Laienensembles hinzuweisen. So bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass Theater im Theater – und sei es die JVA Tegel – meist besser ist als auf dem Bildschirm.

Fidelio. So, 26.4., 23.45 Uhr, im RBB-Fernsehen; bis 17.5. in der RBB-Mediathek oder online