Josh ist Mitte 40 und seit Langem mit Cornelia (Naomi Watts) verheiratet. Seit zehn Jahren arbeitet der einst als großes Talent geltende Regisseur an seinem zweiten Dokumentarfilm, den er aber nicht fertig bekommt. Als der angehende Filmemacher Jamie in sein Leben tritt, fühlt sich Josh (Ben Stiller) schlagartig inspiriert. Schon bald sind die beiden Freunde. – Noah Baumbachs neuer Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (ab morgen im Kino) erzählt von den Schwierigkeiten, sich mit dem Älterwerden und der biografischen Durchschnittlichkeit abzufinden. Wir sprachen mit dem Regisseur.

Mr. Baumbach, angesichts der Thematik von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ die Frage: Haben Sie Schwierigkeiten mit dem Älterwerden?

In einer Midlife-Crisis stecke ich nicht. Aber es kann manchmal schon ein wenig seltsam werden, wenn man Leute kennenlernt und zum Beispiel über die Jahre spricht, in denen Bill Clinton Präsident war. Wenn dann jemand erzählt, er habe damals noch mit seinen Ninja Turtles gespielt, während ich längst wählen durfte, dann fühle ich mich schon ein wenig alt. Ansonsten komme ich damit gut klar. Ich habe in meinem Freundeskreis Mitt-Zwanziger genauso wie 70-Jährige.

Was interessierte Sie dann speziell an dieser Thematik für einen Film?

Das sogenannte mittlere Alter birgt jede Menge komisches Potenzial. Ich finde, dass es viele Vorteile hat, kein junger Hüpfer mehr zu sein und auf allerlei Erfahrungen verweisen zu können. Trotzdem ist es unbestritten, dass sich gewisse Türen nicht mehr öffnen. Abgesehen davon ist es immer spannend zu beobachten, wenn sich Menschen ihrer Sterblichkeit bewusst werden. Schließlich geht es uns allen so: Wir können uns nur in eine Richtung bewegen.

Steckt also auch viel Autobiografisches in „Gefühlt Mitte Zwanzig“?

Eigentlich nicht. Aber irgendwie gehen alle davon aus, dass ich vieles gemeinsam habe mit dem von Ben Stiller gespielten Regisseur Josh. Dabei bin ich – wenn überhaupt – dem jüngeren, von Adam Driver gespielten Typen viel ähnlicher. Zumindest beruflich, denn ich bin durchaus im Reinen mit meinen Ambitionen als Regisseur. Und ich bin produktiv. Josh braucht Jahre, um irgendwie mit seinem Film fertig zu werden. Ich dagegen habe mit dem schöpferischen Akt eigentlich noch nie Probleme gehabt.

Mit Ben Stiller haben Sie bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet.

Die Chemie zwischen uns stimmt; wir verbringen gern Zeit miteinander. Und wir teilen etliche Eigenschaften und Ansichten. Bei „Gefühlt Mitte Zwanzig“ hatte ich ein bestimmtes Ziel vor Augen: In unserem ersten gemeinsamen Film „Greenberg“ war Bens Performance ausgesprochen realistisch und ganz anders als alles, was er sonst spielt. Deswegen wollte ich mit ihm jetzt etwas drehen, was einen größeren Bezug zu seiner Art Comedy und Humor hat. Es war spannend, Elemente seiner massentauglichen Komödien mit meiner Welt zu vereinen.

Mehr denn je meint man in Ihrem neuen Film, den Geist von Woody Allen zu spüren. Hat er Sie beeinflusst?

Ich liebe seine Filme. Ich bin mit ihnen aufgewachsen. Und zwar in Brooklyn, wo ich auf die gleiche Highschool ging, die auch Woody Allen besucht hatte. Ich spürte schon immer eine Nähe und Verbindung zu ihm und seinen Filmen. Deswegen würde ich davon ausgehen, dass Woody Allen mich beeinflusst hat, so wie etliche andere Filme und Regisseure das auch taten. Wobei dies weniger ein bewusster Prozess gewesen ist. Manches gehen einem in Fleisch und Blut über, ohne dass man es merkt.

Mit „Gefühlt Mitte Zwanzig“ und zuvor „Frances Ha“ haben Sie New York in den Mittelpunkt Ihrer Filme gerückt. Wie wichtig ist die Stadt für Ihre Kreativität?

New York ist einfach mein Zuhause. Egal, ob ich dort einen Film drehe oder privat durch die Straßen laufe. An der Stadt hängen für mich starke Gefühle. Und den Figuren in meinem neuen Film geht es genauso. Das ist die Welt, in der sie sich bewegen und mit der sie verwachsen sind – deswegen war es mir wichtig, ein reales Bild von New York zu zeigen. Ich sehe die Stadt genau so, wie ich sie nun auf der Leinwand zeige. Einen Film über New York in einer Stadt wie Toronto zu drehen, so wie es häufig geschieht, kann ich mir schlicht nicht vorstellen.

So wird es eher bei größeren Studio-Produktionen gemacht. Das sogenannte Independent-Kino hinter sich zu lassen, käme für Sie vermutlich ohnehin nicht infrage, oder?

Das Lustige ist, dass in den 1970ern ein Film wie „Gefühlt Mitte Zwanzig“ vermutlich sogar von einem der großen Hollywood-Studios produziert worden wäre! Die haben heute nur leider kein Interesse an solchen Geschichten. Wenn sich das irgendwann wieder ändern sollte, würde ich natürlich auch mal an einer Studio-Produktion arbeiten.

Bleibt zum Abschluss die Frage, die in Ihrem Film einem der Regisseure gestellt wird: Warum filmen Sie?

.. die ist gut. Na, das ist die Art, auf die ich mich am besten ausdrücken kann. Mir macht es Spaß, und ich mag den Prozess, einen Film von der ersten Idee bis zum letzten Schnitt Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist schwierig und braucht viel Durchhaltevermögen. Aber ich wüsste sonst nicht wohin mit meiner Kreativität. Malen kann ich nicht. Und einen Roman schreiben sehe ich mich auch nicht unbedingt.

Interview: Patrick Heidmann