BerlinDie historische Anmaßung und buchhalterische Selbstgerechtigkeit, mit der die Kinder und Enkelkinder von Nazis in Deutschland heute auch Juden verdächtigen, sich in der Debatte um Israelkritik und Antisemitismus nicht mehr in den Grenzen des Sagbaren zu bewegen, erreichte in den letzten Tagen einen kleinen Höhepunkt. Im Gespräch zwischen dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung Felix Klein und der Direktorin des Einstein-Forums Susan Neiman im Deutschlandfunk hatte Neiman Klein gefragt, ob Albert Einstein oder Hannah Arendt, würden sie heute leben, in einer mit öffentlichen Mitteln geförderten, deutschen Institution einen Vortrag halten dürften? 

Immerhin, so Neiman, hatten sowohl Einstein als auch Arendt, auch wenn sie den im Werden begriffenen jüdischen Staat damals intensiv unterstützen, in einem Brief an die New York Times 1948 für das Vorgehen israelischer Truppen gleich viermal das Wort „faschistisch“ verwendet. Klein meinte Neiman daraufhin peinlicherweise belehren zu müssen: Derartige Vergleiche seien „nicht zulässig“, sagte er. Nur, um selbst einen atemberaubenden Vergleich anzustellen: Neimans Frage, so Klein, ähnele den Relativierungen rechter Corona-Leugner, Stichwort: Anne Frank. Kennen Sie den Moment, wenn man beim Radiohören aufschreit: „What?!“ Das war so ein Moment.

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