Im Fall der 31-jährigen Marie Sophie Hingst, die als Bloggerin und Historikerin jahrelang auf dem Ticket einer erfundenen jüdischen Familiengeschichte reiste (Berliner Zeitung vom 3. Juni) und der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem eine gefälschte Liste von Holocaust-Opfern einreichte, vermischen sich die Motive gesellschaftlicher Hochstapelei und der Inanspruchnahme künstlerischer Freiheit. Ihren Blog nämlich erklärte Hingst, nachdem das Magazin Der Spiegel ihr Ende Mai auf die Schliche gekommen war, im nachhinein zu einem Kunstprojekt. Gerade Der Spiegel ist nach der Enttarnung des belletristischen Talentes seines Reporters Claas Relotius ja besonders sensibel geworden und auch politisch wird immer wieder über die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit und die Grenzen der Kunstfreiheit gestritten.