Katzen haben eine einfache Problemlösestrategie. Wenn etwas in ihr Leben tritt, das ihre Ordnung bedroht, wird es hinsichtlich seiner Gefährlichkeit beurteilt und dann verjagt, gemieden oder integriert. Meist ist letzteres der Fall. Einmal kurz dran reiben und mit dem eigenen Geruch versehen und das Leben kann mit neuem Mobiliar weitergehen.

Menschen mögen es komplizierter, und das liegt an ihrer Fantasie. Die Phase der Beurteilung umfasst nicht nur die Überprüfung realer Gefahren (bewegt sich etwas? wächst es? beißt es?), sondern auch die Erwägung alles Möglichen. Und das dauert nicht nur, sondern nimmt oft die gesamte Energie in Beschlag. Immer wieder muss von dem neuen Objekt, das da im eigenen Lebensraum gelandet ist, erzählt werden, es wird beschrieben und ausgedeutet und die Klage, dass der Weg darum herum jetzt ein anderer, womöglich längerer geworden ist, wird mitunter gar zur Erkennungsmelodie einer Person.

„... ich hüll mich in mein Leid wie in ein langes Kleid ...“

„Geh’ mir weg mit deiner Lösung, sie wär’ der Tod für mein Problem“, singt Annett Louisan. Und genau das ist bei Problemen oft das eigentliche Problem: Als das Neue und Andere im Leben schillern und glitzern sie und saugen jede verfügbare Energie des von ihnen Betroffenen ab („... ich hüll mich in mein Leid wie in ein langes Kleid ...“). Mit Blick auf das Problem läuft das Möglichkeitsdenken auf Hochtouren – und reicht dann nicht mehr darüber hinaus.

Aber warum ist es eigentlich so schwer, dem zu entkommen, was in der hypnosystemischen Therapie „Problemtrance“ genannt wird? Daran, dass Neues Angst macht und sich der Mensch daher lieber nicht zu den Ufern der Lösung aufmachen will, kann es nicht liegen, denn das Problem, in dem er mitunter lebenslang herumwatet, macht ihm ja ebenfalls Angst. Oder zumindest wird das behauptet und dann in der inneren Datei „unhintergehbare Fakten“ abgespeichert, obwohl man längst im Kuschelmodus damit ist.

Vielleicht liegt es daran, dass das „Warum?“ als eine vornehme, weil tief gründende Frage gilt, während das pragmatische „Was?“ (was kann ich jetzt damit machen?) als kulturlose Entwurzelung abgelehnt wird. Niemand will gerne zu den Kirschbaumabholzern gehören und das herrliche Gut in Parzellen aufteilen und zum Verkauf anbieten, wie es in Tschechows „Kirschgarten“ am Ende geschieht. Auch nicht, wenn dieses Gut überschuldet ist. Da bleibt man lieber weiter am Tisch sitzen und klagt, das hat einfach – mehr Stil?

Quelle: YouTube

Fragt man jemanden, der ein Problem hat, was er sich wünscht, sagt er zumeist: Dass das Problem nicht da wäre. Aber da es nun da ist, wie löst man es? Wie könnte man sich eine Lösung vorstellen, ausmalen, sich schon einmal in sie hineinfühlen (Lösungstrance!)? Manche Problemlösestrategien lassen die Ausgangssituation sogar völlig außer Acht. Ob jemand im Job gemobbt wird, der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat oder die Familie zerstritten ist, es geht nur darum, welche Erfahrung man stattdessen machen möchte – und was man dazu braucht. Glück, nicht als Frage der Umstände, sondern des Denkens.

Es ist keine persönliche Niederlage, wenn etwas, das stört, nicht von selbst wieder verschwindet. Man kann auch darüber hinwegsteigen. Oder sich, wenn es wirklich beißen sollte und nicht zu verjagen ist, ein neues Revier suchen. Von Katzen lernen, heißt schnurren lernen.