Bildhauer Pablo Wendel im neuen Herz des Kraftwerks
Bildhauer Pablo Wendel im neuen Herz des Kraftwerks
Foto: E-Werk

Luckenwalde - Jean Tinguely hätte der „Dinosaurier“ sicherlich gefallen – so nennt das Team des E-Werks in Luckenwalde das stählerne Becherwerk, mit dem dort einst die Braunkohle aus der Anladezone im Keller mehr als zwanzig Meter empor in die Kohlebunker geschaufelt wurde. Wie die aus Schrott zusammengefügten Skulpturen des Schweizer Fluxuskünstlers rumpelt und scheppert die rostbraune Förderanlage, wenn sich die lange Kette aus schweren Kübeln in Bewegung setzt und ihren gewundenen Weg an den Heizkesseln vorbei bis unter den Dachfirst der Maschinenhalle sucht. Und wie der 1991 verstorbene Tinguely begeistert sich der Bildhauer Pablo Wendel, der das frühere Kraftwerk 2017 kaufte, für die Ästhetik alter Zahnräder und die Wiederverwendung von Industrieartefakten. Im Unterschied zu den düster-verspielten Werken des berühmten Kollegen aus Basel, die sich zuweilen planmäßig selbst zerlegten, erfüllt die Großskulptur in der brandenburgischen Provinz allerdings einen praktischen Zweck: Wendel hat die 1913 errichtete Anlage, die im Zuge der Deindustrialisierung 1994 stillgelegt wurde, vor einem Jahr wieder in Betrieb genommen und auf erneuerbare Energien umgerüstet. Statt Braunkohle transportiert der aus der Hochphase des fossilen Zeitalters stammende „Dinosaurier“ nun Holzschnipsel, die bei der Waldbewirtschaftung anfallen; mittels Pyrolyse – der Holzvergasung – wird „Kunststrom“ erzeugt und in das Netz eingespeist.

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