Ein Euronet-Geldautomat in Berlin.
Foto: imago images/Marius Schwarz

BerlinSchon ästhetisch ist sie eine Zumutung – die aufdringlich blau und gelb leuchtende Säule, die neuerdings in unserer Hauseinfahrt thront. Die Geldautomaten der Firma Euronet breiten sich im Stadtbild immer weiter aus. Allein im 200 Meter langen Abschnitt unserer Straße im Friedrichshainer Ausgehviertel stehen mittlerweile sechs davon herum. Seltsam: Denn eigentlich sollte das Bargeld doch auf dem Rückzug sein.

Die ZDF-Zoom-Reportage „Karte oder Cash“ erklärt gerade, dass Corona die Zahlungskultur auch in Deutschland dramatisch verändert habe, mittlerweile jeder Zweite kontaktlos mit der Karte bezahle. Der Reporter reist nach Schweden, wo jedes Brötchen mit dem Smartphone bezahlt wird und man nach Geldautomaten lange suchen muss. Eine Ahnung, wie die blau-gelben Gesellen ihr Geld einspielen, bekommen wir im Urlaub in Polen, wo wir gewohnheitsmäßig ein paar Zloty ziehen wollen und überall nur noch Euronet-Automaten finden. Stolze 12 Prozent „Servicegebühr“ verlangt die Firma, und der Umtauschkurs ist auch noch schlecht. Beim Wechsel von 400 Euro zahlt man fast 50 Euro drauf – verglichen mit einem Umtausch Cash to Cash in der Wechselstube Kantor.

Viele Reiseblogs und die Tester von Finanztest warnen explizit vor den Automaten von Euronet. Doch 42.000 stehen in aller Welt, beileibe nicht nur in Europa – wie der trickreiche Name suggeriert. Dabei wurde Euronet 1994 in der amerikanischen Provinz, in Leawood/Kansas, gegründet, hat sich in Deutschland die Internetadresse www.geldautomat.de gesichert – als ob sie die einzigen Cashverteiler wären.

Anderswo regt sich bereits Widerstand: So versucht Amsterdam, den Vormarsch der blau-gelben Geldwechsler zu stoppen. Nicht nur wegen der Touristenabzocke, sondern weil sie keinen Beitrag zum Wohlbefinden der Einheimischen leisteten. Auch wir Friedrichshainer könnten auf die permanent heulende Lüftung der blau-gelben Abzock-Säule gut verzichten.