Eigentlich müsste die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nachdenklich werden: Seit Jahren beklagt sie, dass ihre Berliner Sammlungen Alter Meister am Kulturforum und im Bode-Museum zu wenig besucht würden. Doch nun tobt ein Sturm der Entrüstung. Der Plan, den überwiegenden Teil der Gemälde- und Skulpturen-Sammlung auf unabsehbare Zeit ins Depot zu verbannen, bis Geld für einen Neubau neben der Museumsinsel bereit steht, und am Kulturforum die Schenkung Pietzsch sowie die Klassische Moderne der Nationalgalerie zu zeigen, findet außerhalb Berlins keinen einzigen Fürsprecher. Selbst in Berlin ist es kaum eine Handvoll.

Bis in die USA reicht der Protest: Jeffrey Hamburger, Professor für deutsche Kunstgeschichte in Harvard, hat eine Internet-Petition gegen den Plan gestartet. Gerade wird wohl die 5000er-Marke durchbrochen. Auch der sonst eher betuliche Verband deutscher Kunsthistoriker protestiert vehement, sogar direkt bei Bernd Neumann. Es gehe nicht an, auch nicht zeitweilig, die weltberühmte Gemäldegalerie nur im willkürlichen Ausschnitt zu zeigen.

„Augen zu und durch“

Bisher reagierte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung, auf die harte Kritik mit der Methode „Augen zu und durch“. Ungewollt aber deutete er einen kleinen Ausweg aus dem selbstgemachten Dilemma an, entweder die Moderne oder die Alte Kunst zu beschneiden. Die Stiftung suche, so Parzinger, nach weiteren Standorten, um in der Zeit bis zu einem Galerieneubau mehr alte Kunst zeigen zu können. Im Gespräch soll dem Vernehmen nach das Kronprinzenpalais Unter den Linden sein. Der Ort, an dem die Klassische Moderne in den 1920er-Jahren ihren musealen Auftakt-Triumph feierte.

Warum also nicht hier wieder die Kunst der Moderne zeigen, bis Geld für den Neubau da ist? Das wäre sinnvoller als das Zerschlagen der Gemäldegalerie und Skulpturensammlung. Die hätte übrigens schnell mehr Besucher, wenn die Stiftung für sie auch so tolle Werbeplakate hängen würde wie für die moderne Kunst. Die alte Kunst hat viele Freunde, das zeigt dieser Einsatz für die Berliner Gemäldegalerie. Nur wollen sie genau so umworben sein wie die Anhänger moderner Kunst.