Berlin - Heftiger denn je wird gerade über geschlechtergerechte Sprache gestritten. Ideologisches mischt sich mit Inhaltlichem. Auch im Berliner Verlag diskutieren wir das Thema mit viel Herzblut. Unser Wunsch ist es, eine möglichst konsensuelle und praktikable Regelung für unser Haus zu finden. Hier Statements von Redakteurinnen und Redakteuren, sie bilden den aktuellen Stand unserer Diskussion ab. Die Beiträge, in denen gegen die  Verwendung von geschlechtergerechter Sprache in unseren Medien argumentiert wird, sind mit einem - markiert, Pro-Positionen mit einem +. Und es gibt auch noch ganz andere Vorschläge.


- Ich bin für eine faire Sprache, die alte Rollenbilder nicht weiter fortschreibt. Sternchen, Gaps und Binnen-I finde ich aber störend. Präzise Sprache ist mein Vorschlag, und da, wo es nicht anders geht, lieber einen neutralen Begriff. Julia Haak


Ich habe kein inhaltliches, bisweilen aber ein stilistisches Problem damit. Christian Schlüter-Bethge


+ Ich finde Gendern super und bin dafür. Aber für Überschriften und Teaser könnte das auch problematisch werden. Nicht nur, weil sie länger werden, sondern weil sie dadurch auch etwas Schwung verlieren. Robert John



Als Frau und berufstätige Mutter haben mir Sprachregelungen nie geholfen, und ich bezweifle, dass sie an Benachteiligung von gesellschaftlichen Gruppen etwas ändern können. Als Journalistin bin ich für schlichte, genaue Sprache. Gendern wirkt auf mich bemüht und bürokratisch. Anja Reich


+/- Ich wäre dafür, es den Autorinnen und Autoren zu überlassen, ob und wie sie gendern wollen. Anne Vorbringer


Abgesehen davon, dass es kein bisschen zu Lesbarkeit und Verständnis von Texten beiträgt, folgt die Berliner Zeitung schlichtweg der linguistischen Wahrheit, dass Genus und Geschlecht nicht dasselbe sind − ganz im Gegenteil. Ich hoffe, auch weiterhin. Christian Seidl



+ Bin fürs Gendern bzw. Anarchie.  Tomasz Kurianowicz


Sprachliches Gendern kann zum Denken über Geschlechtergerechtigkeit anregen, es sollte aber kein verordneter Prozess sein, weil so etwas eher Widerstand und Konfusion erzeugt, siehe die verunglückte Rechtschreibreform von 1996. Torsten Harmsen
Kommt darauf an wie. Ich fühle mich mit dem generischen Maskulinum jedenfalls zunehmend unwohl, weiß aber nicht, was die Lösung sein kann. Susanne Lenz


+ Ich bin sehr dafür. Ob die Redaktion zum Gendern verpflichtet wird oder es einem selbst überlassen ist; ob es eine einheitliche Regelung oder Mischformen (*, _, Innen, Forscher und Forscherinnen) gibt, ist mir egal. Hauptsache, man fängt irgendwo an. Miray Caliskan


Gendern - Ihre Meinung

Gendern oder nicht? Oder nur manchmal?
Was ist Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser? Schreiben Sie uns bitte:
leser-blz@berlinerverlag.com


+ Meine Haltung in zwei Sätzen: Sprache ist Macht, und geschlechtergerechte Sprache trägt einen kleinen Teil dazu bei, sich unnötiger Diskriminierung im Alltag zu widersetzen. Dazu gendern wir heute auch täglich, nur wird uns männlich-geprägtes Gendern als „neutral“ verkauft. Maxi Beigang


Ich verstehe, dass da ein allgemeiner Handlungsdruck empfunden wird, aber ich glaube, die Diskussion ist größer als der Wunsch der Leser nach Veränderung. Ich finde, die Texte lesen sich durchs Gendern ganz anders. Ist auch eine ästhetische Frage. Amtsblätter und Flyer an der Uni gendern, das erwartet man aber nicht in der Zeitung. Maximilian Both



+ Ich würde es begrüßen, wenn wir das Gendern einführen, wäre aber dafür, mit dieser neuen Schreibweise zu experimentieren: Funktioniert das Gendern in Überschriften oder irritiert es und lenkt vom eigentlichen Inhalt ab? Gewinnen Nachrichten durch das Gendern an Allgemeingültigkeit oder werden sie nur schwer lesbar? Stören sie den Lesefluss in Reportagen oder hängt das vom Thema ab? Wie stehen Kolumnisten zum Gendern, zu wem passt es, zu wem nicht? Ausprobieren, Erfahrungen sammeln, offen bleiben. Und in ein paar Monaten schauen, wo wir landen. Anne Lena Mösken


Ich habe neulich woanders vom Bezirksbürger*innenmeister*innentreffen gelesen − das zeigt in einem Wort, wie sperrig, unästhetisch und unpraktikabel das werden kann, gerade für Überschriften und Unterzeilen. Wäre für andere, kürzere Vorschläge offen. Dominik Bardow


Ich gendere nicht, weil ich keine Behörde bin und die Texte anschließend aussehen würden, als hätte ich einen Aufsatz in Sozialkunde geschrieben. Da ich in einem Kriminaltext mit Sicherheit sechs- bis siebenmal Beamtinnen und Beamte und Polizistinnen und Polizisten schreiben müsste, schreibe ich: Polizisten haben eine Wohnung durchsucht. Alexander Schmalz



Ich bin dafür, sensibel auf die neuen Anforderungen zu reagieren, aber alles zu vermeiden, was Lesefluss, Verständlichkeit etc. beeinträchtigt. Harry Nutt


+ Jeder so, wie er will, altehrwürdig oder neumodisch– gewagt, ob Sternchen oder Atemholen bis hin zu neuen Kreationen. Schließlich haben wir auch auf der Meinungsseite verschiedene Stimmen. Hauptsache, es ist verständlich – ohne diese Voraussetzung kann ein Text nicht veröffentlicht werden. Susanne Dübber



+ Meiner Meinung nach ist Gendern auf jeden Fall notwendig, da Sprache unser gesellschaftliches Miteinander enorm beeinflusst und somit ein weiterer Schritt in Richtung Gleichstellung gesetzt werden kann. Marco Buchholz


+/- Ich persönlich gendere in Texten, in denen ich es angemessen finde, wo es etwa um queer-Themen geht oder wo es aufgrund der Identität einer porträtierten Person Sinn macht. Ich finde, man sollte kontextbezogen entscheiden können und halte eine konsistente, für alles geltende Regel für schwer vorstellbar. Hanno Hauenstein


Ich sehe meine Rolle als Journalist nicht darin, gesellschaftliche Trends zu befeuern. Wir stehen − egal wo − am Rand, beobachten, kommentieren. Immer kritisch. Lasst uns unsere Leser mit Inhalten überraschen, nicht mit neuen Schreibweisen. Fabian Hartmann



Als Halbfinnin nehme ich immer gern das Beispiel Finnland − ein Land, in dem keiner die Frage stellt, ob eine Regierungschefin Kinder hat. Juristin zum Beispiel heißt auf Finnisch direkt übersetzt „Gesetzesmann“, die Parlamentssprecherin ist der „Sprechermann“. Die finnische Botschafterin in Berlin Anne Sipiläinen würde sich deshalb auch als Botschafter, nicht als Botschafterin bezeichnen, das Betonen der weiblichen Form sieht sie als Diskriminierung, der Begriff würde sie auf ihre Rolle als Frau reduzieren. Was wäre, wenn wir im Deutschen einfach die weibliche Form streichen würden und per definitionem festlegen, dass mit dem generischen Maskulinum einfach alle gemeint sind, nicht nur Männer und Frauen? Jenni Roth


Ich bin dafür, dass jeder oder jede nach Gewissen und Sprachgefühl entscheidet, welches grammatische Geschlecht er oder sie in einem konkreten Kontext gebraucht. Doppelpunkt, Sternchen und sonstige Sonderzeichen zur Egalisierung lehne ich ab. Frank Junghänel


Für mich ein ultrahocherhitztes Kunstprodukt aus dem Marketinglabor, das den Spaß am Lesen und Schreiben nimmt und die Welt nicht besser macht. Also: gelebte Gleichberechtigung ohne Doppelpunkt und Sternchen und Iphone statt iPhone. Jochen Knoblach


+ Ich bin absolut dafür zu gendern! Wenn wir eine Zeitung für alle sein wollen, müssen wir auch alle Leser:innen ansprechen und nicht nur die Cis-Männer. Dass alle anderen im generischen Maskulin „mitgemeint“ sein sollen, ist schließlich kein Naturgesetz, sondern einmal festgelegt worden (und zwar von Cis-Männern). Sprache verändert sich, und Sprache spiegelt die Gesellschaft. Und unsere Gesellschaft öffnet sich langsam marginalisierten Gruppen, Frauen, Personen mit Migrationsgeschichte, Transpersonen. Das sollten wir abbilden, nicht nur thematisch, sondern eben auch sprachlich. Dominique Wanat


Für mich der Versuch, normale − also evolutionäre, nicht revolutionäre − sprachliche Veränderung des Sprachgebrauchs durch Gewalt zu ändern und nichts anderes als ein totalitäres Kampfmittel, mit dem wir an der Masse der Leser völlig vorbeigehen und lediglich einem studentisch-urbanen Publikum zu gefallen suchen, welches nicht unserer Kernleserschaft, weder online und schon gar nicht im Print, entspricht. Es lenkt von den wirklichen Problemen der Gesellschaft ab und ist nichts weiter als ein sprachliches Mittel der Unterdrückung. Mathias Bunkus


Ich bin gegen dieses Neusprech, das eine kleine, aber laute Gruppe der Mehrheit verordnen will, das funktionierende Sprache kaputt macht und Blüten wie diese treibt: Kürzlich richtete sich die Polizei per Lautsprecher an die „ehemaligen Versammlungsteilnehmenden“. Andreas Kopietz


+ Ich finde, dass das inzwischen einfach zeitgemäß ist. Aber wahrscheinlich sollte es dennoch freiwillig bleiben oder als Empfehlung ausgesprochen werden. Friedrich Conradi



Ich bin gegen das Gendern im Sinne von * oder -Innen, ich bin für Lehrer und Lehrerinnen. Denn inzwischen ist eine gesellschaftliche Großdebatte entbrannt, die wir als kritische Journalisten professionell begleiten sollten, abbilden, bewerten und vor allem einordnen. Da ist es nicht hilfreich, sich in jedem Text durch * auf eine Seite zu schlagen und parteiisch zu sein. Viele Leser würden sich nicht nur von uns abwenden, sondern vor allem vom Diskurs. Würden wir alle Texte gendern und einer vorgeschriebenen Sprachschablone anpassen, ginge sprachliche Vielfalt verloren und ein Zauber unserer Arbeit. Und wir wären, wie die Zeitungen zu DDR-Zeiten, sehr nahe dran an der Abteilung „Agitation und Propaganda“. Jens Blankennagel


+/- Ich bin da zwiegespalten. Klar müsste der Duktus häufiger differenzierter sein, aber ich finde es auch kompliziert, es komplett durchzuziehen. Gerade in Überschriften und Teasern kann das problematisch werden. Benedikt Paetzholdt


Ich würde gerne auf das Gendern in Texten verzichten. Für mich greift es das eigentliche Problem nicht an, es symbolisiert irgendwie sogar eine völlig ominöse Art und Weise, sich dessen anzunehmen: Sprache ändern, statt Probleme ändern. Von daher: kein Gendern. Maximilian Ohlert


+ Ich würde es gut und wichtig finden, wenn wir in Artikeln eine gendergerechte Sprache verwenden würden, da wir letztendlich alle Menschen in Berlin ansprechen wollen und wir als Medium eine wichtige Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Allerdings denke ich, dass das Ganze auf Freiwilligkeit beruhen sollte. Elena Matera


+ Ich bin für Gendern per Doppelpunkt. Denn merkwürdigerweise fühlen Männer sich nicht mitgemeint, wenn sie nicht explizit genannt werden. Es ist Zeit, die Sprache gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Die Diskussionen darüber zeigen, wie weit wir noch von Selbstverständlichkeiten entfernt sind. Ruth Schneeberger



Ich bin für Gendern dort, wo es den Lesefluss nicht stört, hoffe aber, dass wir nicht dem Genderwahn verfallen. Das hätte Auswirkungen auf Texte, Bücher usw., die ich mir nicht ausmalen möchte. Katrin Bischoff


Ich hab da keine so feste Meinung. Ich selbst benutze kein Gendersternchen − wenn notwendig, spreche ich beide Formen an. Schreibe aber auch: liebe Kollegen (und fühle mich mitgemeint). Sabine Rennefanz


+ Sprachliches Gendern? Geht für mich klar − aber nur, wenn ich es so inkonsequent handhaben darf wie mein ganzes Leben. Christine Dankbar



+ Ich bin ganz klar dafür. Es ist okay für mich, wenn einige Autor:innen (noch) nicht gendern oder es in Überschriften vermieden wird. Sprache verändert sich langsam, aber es ist Zeit anzufangen. Maria Häußler


+ Sprachliches Gendern finde ich richtig und wichtig. Aber es muss angemessen sein und in den Kontext passen. Christian Gehrke


Behindert mich beim Lesen und ist meines Erachtens völlig unnötig. Meinetwegen künftig gerne nur die weibliche Form. Aber ich akzeptiere eine Mehrheitsentscheidung. Philippe Debionne


Ich bin der Meinung: schreiben so einfach und kurz wie möglich, also kein *innen oder /innen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ein Beispiel: Wenn von den Redakteuren der Berliner Zeitung die Rede ist, fühle ich mich als Redakteurin gleichberechtigt eingeschlossen. Karin Bühler


In Fällen, da es missverständlich sein sollte, ob etwa bei Handwerkern nur von Männern oder von Männern und Frauen die Rede ist, kann man gern die Handwerkerinnen extra erwähnen. Im Prinzip sind sie aber in der deutschen Sprache dabei. Wie es nicht nur umständlich, sondern unglücklich verharmlosend wird, sieht man an politischen Beispielen; nehmen wir den Kampf gegen Faschistinnen und Faschisten. Die mittlerweile übliche Verlaufsform hat auch ihre Tücken, denkt man ans Studierendenwohnheim. Und bei den Satzzeichen zum Gendern verwirrt die Uneinheitlichkeit von Doppelpunkt, Asterisk, Binnen-I und Unterstrich. Ich finde, statt der Sprache sollten in der Gesellschaft die Verhältnisse verändert werden, in denen Frauen oder Transpersonen sich ausgeschlossen oder benachteiligt fühlen. Cornelia Geißler


+/- Auf jeden Fall: eine Erklärung im Impressum, wie wir uns entschieden haben. Und warum. Charmant fände ich die Lösung, es jedem Redakteur/Redakteurin selbst zu überlassen. Jörg Hunke


Generisches Maskulinum, schon aus Pragmatismus bei Meldungsüberschriften. Wenn sich diese Position nicht durchsetzt, lieber : statt * wegen der Lesbarkeit für Menschen mit Behinderung, und auf keinen Fall Binnen-I o.ä., weil dann der Ausschluss von Intersexuellen wirklich manifest wird (im Gegensatz zum alle inkludierenden generischen Maskulinum). Philip Aubreville


+/- Ich finde alle Alternativen falsch, auch die, einfach nur beim generischen Maskulinum zu bleiben. Deshalb plädiere ich auch weiterhin fürs Durchschummeln. Schreiben ohne Schummeln geht sowieso nicht. Ulrich Seidler



Hört sich gesprochen fürchterlich an, sieht geschrieben noch fürchterlicher aus, da ändert auch politische Korrektheit nichts dran. Peter Wiezorek


+/- Als Frau habe ich mich nie an fehlenden Binnen-Is gestört, aber immer darüber geärgert, übergangen oder in meiner Expertise nicht ernst genommen zu werden. Ich habe nichts gegen das Gendern per se, aber die harten Fakten werden auf Bühnen abseits der Sprache geschaffen.  Katharina Brienne


Man sollte es lassen, es stört den Leselauf. Wenn ich „Berliner“ schreibe, wissen meine Leser, dass damit jeder gemeint ist, der in dieser Stadt lebt. Norbert Koch-Klaucke


Strikt gegen diese Verirrung, oder mit Kierkegaard etwas feiner ausgedrückt: Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, ist bald Witwer (bzw. Witwende). Kay Schöphörster


Ich würde immer das Schlichte und Klare bevorzugen. Keine Wortungetüme oder Sternchen, ich würde immer Künstlerinnen und Künstler, Bäckerinnen und Bäcker, Schwimmerinnen und Schwimmer für normal halten, so viel Platz muss sein; und nicht etwa Schwimmende oder Backende oder Künstelnde, nur manchmal darf es auch Studierende sein, aber dann ist auch mal gut. Ingeborg Ruthe


Ich empfinde das Gendern als Vortäuschung von Gleichberechtigung. Es ist mit den diversen Zeichen-Lösungen auch nicht durchzuhalten, man denke z. B. an Arzt. Bei Texten über die Corona-Runde frisst „Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten“ viel Platz, und seit die FAZ das Neutrum „Mitglied“ genderte, bin ich mit dem Thema durch. Gerhard Lehrke


+ Ich finde das Sternchen persönlich einfach schön und heiße es willkommen, ich bin außerdem sehr dafür, wenn gesellschaftliche Entwicklungen in Schrift und Sprache Niederschlag finden. Davon abgesehen bin ich für größtmögliche Offenheit und Toleranz gegenüber allen Lebens- und Schreibweisen. Frederik Bombosch


+ Ich empfinde den Doppelpunkt als sinnvoll, da er den Lesefluss nicht stört und optisch signalisiert, dass gegendert wird. Nihan Uzunoglu


Bitte keine Versalien im Wort, keine Doppelpunkte und Sternchen, keinen Friedhof der Satzzeichen. Vielleicht Berlinerinnen und Berliner. Ansonsten: generisches Maskulinum − nicht zuletzt wegen der Lesbarkeit. Peter Neumann


Ich halte das sogenannte Gendern (was für ein Wort!) für kontraproduktiv. Bringt nichts in der Sache, spaltet die Gesellschaft, macht Sprache missverständlich usf. Werde ich selber angegendert, fühle ich mich ideologisch begrapscht. Es ist übergriffig. Normalerweise antworte ich nicht auf gegenderte Anschreiben. Alles für die Vielfalt! Alles für Frauen- und sonstige Power! Alles gegen die Einfältigkeit! Maritta Tkalec



+ Ich hielte ein plurales Vorgehen für zeitgemäß: Redaktionsmitglieder sollten sich einer festgelegten Gender-Variante bedienen können, wenn sie das wollen, ich würde da den Doppelpunkt vorschlagen. Sie können aber auch weiterhin rein männlich oder in Doppelform schreiben. Bei Autor:innen von außen übernehmen wir die Form, in der sie die Texte schicken. Sprache ist lebendig und Ausdruck von Haltung, und wir sollten hier nicht restriktiv vorgehen, sondern mit dem Flow. Petra Kohse


+ Ich denke, wir sollten in der Wochenend-Ausgabe komplett gendern und sehen, wie das funktioniert. Wir könnten damit ein Zeichen setzen und selbst erste Erfahrungen machen. Sowohl *, _ als auch : sollte erlaubt sein, allerdings innerhalb eines Textes konsistent. Sören Kittel


+ Schon allein die bewegte Debatte übers Gendern hat das Bewusstsein darüber geschärft, dass Frauen kaum mitgedacht werden, wenn von Sängern oder Politikern die Rede ist. Gendersternchen oder :innen sind Behelfskonstruktionen mit dem Ziel, den unterschiedlichen Geschlechtern mehr Sichtbarkeit zu geben. Mit Mut zum Experiment werden wir mittelfristig elegantere Lösungen finden, unsere Sprache fortzuentwickeln. Joane Studnik


+/- Sprache ist ein so flexibles und fähiges Gewebe, dass wir hoffentlich irgendwann eine gute Lösung für sensible Sprache haben werden. Für den Weg dahin müssen wir uns mit Krücken behelfen, die nichts anderes signalisieren als: Wir haben uns über das Thema Gedanken gemacht. Vielleicht könnte eine Präambel, die für alle unsere Publikationen gilt, ein wenig Druck aus dem einzelnen Text nehmen. Sowas in der Art wie: Wir schreiben für und über Menschen, alle Menschen. Dabei spielen weder ihr Geschlecht, ihre Herkunft, ihre Hautfarbe, ihre IQs, ihr Alter, ihre Überzeugung, ihre Religion noch ihre Schuhgröße eine Rolle. Anstatt in immer kleinere diverse Untergruppen aufzufächern, stellen wir in unseren Texten das Verbindende in den Mittelpunkt. Am Ende sind wir ja alle nur Menschen, die gesehen und gehört werden wollen. Und das soll im Berliner Verlag vorurteilsfrei und ohne Wertung für alle Menschen gleichermaßen geschehen. Stefanie Hildebrandt