Szene aus „Als ich mal groß war“.
Foto: Pandora Film

Berlin Die Idee ist bestechend: Drei Kinder erzählen in die Kamera, wie sie sich selbst in der Zukunft sehen, parallel dazu spielen drei Schauspieler das vor. Die Filmemacher Lilly Engel und Philipp Fleischmann haben Lucas und Marius aus Berlin sowie Renée aus Stuttgart 2014, 2015 und Anfang 2019 befragt. Constantin von Jascheroff, Sebastian Schwarz und Isabell Polak schlüpften in deren Rollen im Erwachsenenalter.

„Als ich mal groß war“ erzählt also von den Perspektiven aufs Leben, von Kindheit und Erwachsensein und über Freundschaft. Es ist ein Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm. Man lernt einiges beim Zuschauen. Die Umsetzung der schönen Idee krankt allerdings an verschiedenen Problemen. Lucas und Marius sind neun und zehn Jahre alt, als sie zum ersten Mal befragt werden: zwei lebhafte Jungs, die einen großen Teil ihrer Freizeit bei der Jugendfeuerwehr verbringen. 

Von Feuerwehrmännern und schlechten Frauenbildern

Natürlich wollen sie Feuerwehrmänner werden. Sie machen Späße, während sie von ihrer Zukunft sprechen, doch sie als (mögliche) Erwachsene als tollpatschige Retter zu zeigen, denunziert ihren Anspruch, einmal für andere Menschen da zu sein. Erstaunlich kleinkariert erscheint das Frauenbild der Jungs. Sie plappern daher, Frauen seien fürs Kinderkriegen nötig, erwarten Geld von ihnen, aber vielleicht könne man sie loswerden, sobald man die Kinder habe.

Renée aber sieht sich in zwanzig Jahren als Modedesignerin, die dazu noch einen Blumenladen hat. In der Spielszene erscheint sie als Karikatur in Glitzerkleid und Pumps. Rührend wirkt die Zuneigung zwischen Lucas und Renée in klein, heiraten wollen sie. Sie hatten sich vor Jahren im Urlaub kennengelernt, die Eltern sorgen dafür, dass sie sich regelmäßig treffen können, mal in Stuttgart, mal in Berlin.

Keine Eltern weit und breit

Eltern tauchen angenehmerweise im Film gar nicht auf. Der Sprung in die Pubertät wirft alle Zukunftsbilder über den Haufen. Die nun 13-, 14-jährigen Kinder sind eingebunden in einen strengen Schul- und Freizeitrhythmus. Die Freundschaften sind eingeschlafen. Lucas rudert und will Atomphysiker werden. Marius, immer noch bei der Feuerwehr, sieht neben ihm wie ein Verlierer aus. Renée wirkt abgeklärt.

Allein die Spielszenen behalten den komödiantischen Stil. So erscheinen die Aussagen der kindlichen Protagonisten über Liebe und Heldentum rückblickend recht putzig – was nicht für die Perspektive der Filmemacher spricht. Die Neun- und Zehnjährigen träumen beim Spiel mit Legosteinen von einem funktionierenden Flughafen BER, fünf Jahre später ist der immer noch ein Problemfall. Was für ein Witz aus der Erwachsenenwelt.

Als ich mal groß war. Deutschland 2019. Regie und Buch: Lilly Engel, Philipp Fleischmann; Kamera: Peter Nix; Darsteller: Constantin von Jascheroff, Isabell Polak, Sebastian Schwarz;   85 Minuten, Farbe, FSK ab 6