Berlin - Wie nennt man die Klarstellung der Zurückweisung einer Ablehnung, die gar keine war? Das Wort dafür ist noch nicht erfunden. Das Ganze darf man auf jeden Fall absurd nennen: Der Streit um ein mögliches „House of Jazz“ in der Alten Münze, eine Idee des Promi-Jazztrompeters Till Brönner, bekommt allmählich so groteske Züge, dass es die Beteiligten sogar selbst merken. Das ist das Gute daran: Dem Standort, einem ebenso schönen wie sanierungsbedürftigen Gebäudeensemble an Mühlendamm und Spree, und seiner Zukunft kann dies am Ende sogar nutzen.

Die letzte Eskalation geschah erst am Mittwoch: Der Hamburger Sozialdemokrat Johannes Kahrs, ein Haushalts- und Kulturpolitiker des Bundestags, ließ über die Nachrichtenagentur DPA wissen, dass man ein „House of Jazz“ auch bundesweit ausschreiben lassen könnte, wenn Berlin ein solches Projekt nicht wolle. „Dann könnte sich jede Kommune in Deutschland darum bewerben. Das wäre eine charmante Lösung“, teilte Kahrs mit – und man meint, eine gewisse Häme gegenüber der Kulturpolitik in der Hauptstadt durchhören zu können.

Kurz zum Vorlauf: Der Bundestag, namentlich der für Finanzen zuständige Haushaltsausschuss, hatte im November vorigen Jahres durchaus überraschend 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, und zwar mit der Zweckbestimmung „Alte Münze/House of Jazz“. So viel öffentliches Geld für Jazz auf einmal dürfte es noch nie auf einem Haufen gegeben haben, schon gar nicht in Berlin, wo die höchst kreative, aber auch recht zerstreute Szene sich auf etliche Klein- und Kleinstlocations verteilt – und man sich alle Jahre wieder um Bruchteile einer solchen Summe zu betteln genötigt sieht.

An einen Standort gebunden

Diese 12,5 Millionen Euro sind aber nicht nur an den Standort Alte Münze gebunden, sondern ausdrücklich an ein persönlich von Till Brönner inspiriertes Projekt namens „House of Jazz“ – für das es auch schon eine umfangreiche Machbarkeitsstudie gibt, bezahlt ebenfalls aus Bundesmitteln. An der 120 Seiten starken Studie, von der es öffentlich nur Zusammenfassungen gibt, arbeitete auch Brönners jüngerer Bruder Pino mit, der zugleich sein Manager ist. In der Machbarkeitsstudie kam so, eher wenig verwunderlich, heraus, dass das Projekt in der Alten Münze in der Tat machbar ist. Sanierungskosten mindestens: 28 Millionen Euro nur für ein „House of Jazz“ vorerst mit einer stationären Bigband, einer großen Bühne und kleineren Clubräumen, dazu ein Aufnahmestudio – später vielleicht auch noch Proberäume und ein Gästehaus. Raumbedarf: rund 4000 Quadratmeter – übrigens ein Bruchteil des zur Verfügung stehenden Platzes in der Alten Münze, die theoretisch über mindestens 18.000 Quadratmeter Nutzfläche verfügt. Die laufenden Kosten werden von den Studienautoren, der Berliner Kulturagentur iQult gemeinsam mit Pino Brönner, auf jährlich 5,2 Millionen Euro geschätzt.