BerlinGerard Butler steuerte zunächst auf eine Karriere als Rechtsanwalt zu, bevor er sich mit 25 Jahren doch für die Schauspielerei entschied. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Actionfilmen, von „300“ über „Geostorm“ und „Hunter Killer“ bis zur „Olympus Has Fallen“-Reihe. Auch sein neuer, von ihm selbst produzierter Film „Greenland“, der aktuell in den deutschen Kinos läuft, stellt keine Ausnahme dar. Wir konnten ein Videotelefonat mit dem Preisträger der Goldenen Kamera führen.

Berliner Zeitung: Mr. Butler, Sie spielen in Ihrem neuen Film „Greenland“ mal wieder einen heldenhaften Recken, der seine Familie und sich vor dem drohenden Weltuntergang rettet. Wann waren Sie zuletzt im echten Leben ein Held?

Gerard Butler: Ich habe vor vielen Jahren in Schottland mal einen Jungen vor dem Ertrinken gerettet und deswegen auch eine Ehrung für meinen Mut bekommen. Aber das würde ich nicht als heldenhaft bezeichnen. Allerdings interessiert mich tatsächlich sehr, wie man als Mann ein Held im Alltag sein kann, ein aufrechter Krieger von untadeligem Geist. Es gibt so eine Art therapeutisches Programm mit dem Titel „The Hero’s Journey“, quasi ein Leitfaden zur männlichen Selbstfindung. Damit beschäftige ich mich seit einiger Zeit intensiv. Ich bin also hoffentlich auf dem Weg, ein echter Held zu werden (lacht).

Täuscht der Eindruck oder fühlen Sie sich vor der Kamera in Actionrollen am wohlsten?

Ich verstehe mich als Schauspieler, nicht als Actiondarsteller, wenn Sie das meinen. Und zu Beginn meiner Karriere hätte ich mir nie im Leben träumen lassen, dass die Fans mal meinen Namen in erster Linie mit Action assoziieren würden. Damals habe ich ja vor allem britische Independent-Filme gedreht. Aber dann waren ausgerechnet die Miniserie „Attila – Der Hunne“ und die Computerspielverfilmung „Lara Croft: Tomb Raider“ die Projekte, mit denen mir so etwas wie ein Durchbruch gelang. Einerseits habe ich gemerkt, dass mir körperbetonte Rollen liegen, andererseits war ich zunächst vorsichtig, mich nicht darauf festlegen zu lassen. Dann kam einige Jahre später die Rolle als König Leonidas in „300“, die musste ich einfach spielen. Und sie wurde ein riesiger Erfolg. Von da an wurde die Sache irgendwie ein Selbstläufer. Was nicht heißt, dass ich nicht auch ganz andere Filme drehe, Shakespeare-Verfilmungen, Komödien oder kleine Thriller. Die finden eben nur nicht immer so ein großes Publikum.

Foto: dpa/Britta Pedersen
Zur Person

Gerard Butler wurde am 13. November 1969 in Schottland geboren. Nach mühsamen Anfängen als Schauspieler bekam er 1997 eine kleine Rolle im James-Bond-Abenteuer „Der Morgen stirbt nie“, später gelang ihm der Durchbruch mit actionlastigen Nebenrollen in „Die Herrschaft des Feuers“ oder „Lara Croft: Tomb Raider“.

Über die Jahre spielte der Fußballfan, der seinen Lebensmittelpunkt schon lange nach Los Angeles verlagert hat, in so unterschiedlichen Filmen wie „Das Phantom der Oper“, „P.S. Ich liebe Dich“ oder „Kiss the Coach“ mit.

In „Greenland“ geht es nun ums drohende Ende der Welt. Das wird zwar durch einen Kometeneinschlag herbeigeführt, nicht durch den Klimawandel. Aber tatsächlich werden Katastrophenszenarien für uns alle immer realer, oder?

In der Tat, und ich denke durchaus öfter mal darüber nach, wie nah wir eigentlich als Zivilisation schon am Abgrund stehen. Wenn ich mir unser Klima und den Zustand der Umwelt so ansehe, scheint mir das Ende ähnlich unaufhaltsam wie bei einem Kometen, nur schleichender. Zumindest habe ich nicht den Eindruck, dass wir schnell und ausreichend genug Veränderungen vorantreiben. Das ist ein ziemliches Scheißgefühl. Gerade hier in Los Angeles ist die Bedrohung in den letzten Wochen wieder unglaublich real gewesen. Das vierte Jahr in Folge wüteten schlimmste Feuer und man konnte fast in ganz Kalifornien tagein, tagaus die Rauchwolken sehen. Entsetzlich.

Vor zwei Jahren fiel Ihr Haus in Malibu einem solchen Feuer zum Opfer. Haben Sie damals nicht darüber nachgedacht, Kalifornien den Rücken zu kehren?

Ich denke darüber nach, Kalifornien zu verlassen, seit ich hierher gezogen bin (lacht). Aber was soll ich machen, ich liebe es hier einfach. Selbst wenn ich mich angesichts der schlimmer werdenden Feuer, Fluten, Stürme und Dürren manchmal fühle wie der Frosch im Topf, der zu spät merkt, dass das Wasser langsam zu kochen beginnt. Denn auch in Kalifornien spüren wir buchstäblich, dass es von Jahr zu Jahr heißer wird.

Haben Sie nach den Verlusten bei dem Brand vor zwei Jahren begonnen, anders über Besitz und die wichtigen Dinge im Leben nachzudenken?

Vor allem weiß ich seither mehr denn je zu schätzen, dass ich am Leben bin, und freue mich darüber, meine Familie und Freunde zu haben. Aber klar, die Sache war mir auch eine Lehre in Sachen Nicht-Bindungen. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu lernen, dass man eigentlich alles Hab und Gut ersetzen kann. Mehr als die Dinge in meinem Haus schmerzte mich aber tatsächlich der Verlust des Anwesens selbst. Plötzlich war da dieses seltsame Gefühl, dass ich mein Haus und Grundstück im Stich gelassen habe, weil ich sie nicht retten konnte. Nicht dass ich viel hätte tun können. Aber ich war eben nicht da.

Apropos Zuhause: In Ihrem derzeitigen Haus werden Sie, wie die meisten von uns, in den vergangenen Monaten mehr Zeit denn je verbracht haben. Gehören Sie auch zu denen, die das Backen für sich entdeckt haben?

Klar, Kuchen und Kekse, was auch nicht zu übersehen ist (lacht). Ob das jetzt ein Scherz war oder Sie sich mich wirklich am Backofen vorstellen können, müssen Sie entscheiden. In jedem Fall konnte ich der Situation durchaus etwas abgewinnen. Zu Hause sein, Ruhe zum Nachdenken haben, Zeit mit meinen engen Freunden verbringen – das hatte was.

Die Decke ist Ihnen nicht auf den Kopf gefallen?

Das verhinderte zum Glück mein Wohnmobil. Ich habe immer wieder längere Touren in die Natur gemacht, in die Wüste von Arizona oder die Berge von Nordkalifornien. Ein wunderbarer Ausgleich, der die Situation allgemein sehr viel erträglicher machte.

Wohin wird es Sie als Erstes ziehen, wenn man wieder unbesorgt reisen kann?

Ohne Frage nach Schottland, um meine Familie zu sehen, die ich wirklich sehr vermisse. Außerdem liebe ich meine alte Heimat, sie ist einer der schönsten Orte auf unserem Planeten. Wenn ich nur an die Highlands und die schottische Westküste denke, habe ich einen Kloß im Hals, so sehr schmerzt es mich, dass ich dieses Jahr noch nicht dort war.

Sie haben einst Jura studiert und auch schon in Anwaltskanzleien gearbeitet, bevor Sie nach London gingen, um berühmt zu werden. Hat Ihnen dieser Background je etwas in der zweiten Karriere als Schauspieler gebracht?

Mit Sicherheit. Im Jurastudium habe ich eine Art des Denkens und Analysierens gelernt, die heute meine Drehbuchlektüre und das Textlernen beeinflusst. Außerdem helfen mir die Erfahrungen bei Verhandlungen, weil ich weiß, wie Verträge aufgebaut sind und funktionieren. Aber das Hilfreichste an meinen Anfängen als Anwalt war, dass ich mich nicht zu früh ins Abenteuer Schauspielerei gestürzt habe. Das wäre mir womöglich nicht so gut bekommen – und ich hätte es wohl nicht so weit geschafft, wie es nun der Fall ist.