Szene aus des Film Goya von 1971.
Foto: DEFA-Stiftung/Arkadi Sager

BerlinMitte der 1960er-Jahre sucht die Defa internationale Partner für ihr Großprojekt „Goya“, Regie: Konrad Wolf. Es gibt Gespräche in Paris, München, Hamburg. Im März 1965 tritt auch der West-Berliner Produzent Artur Brauner auf den Plan. Als Vermittler fungiert ein Kindheitsfreund Wolfs aus dem Moskauer Exil, der Architekt Lothar Wloch, der 1954 für Brauners Firma CCC zwei Studiohallen in Spandau entworfen hat. Konrad Wolf ist für Brauner kein Unbekannter; schon 1963 hätte er ihn gern für einen Stoff über Janusz Korczak und dessen jüdische Waisenkinder zu sich geholt.

Dennoch drohen die Verhandlungen in Sachen „Goya“ bald zu scheitern. Brauner stellt zu hohe Garantieforderungen und verlangt Verleihrechte, die ihm die Defa nicht zu überlassen bereit ist. Als Lösung des Konflikts wird eine Idee geboren, mit der beide Seiten gut leben könnten: Brauner würde 1,2 Millionen D-Mark für Drehkosten in Jugoslawien und eine weitere halbe Million als Gagen für westliche Schauspieler übernehmen. Dafür soll ihm die Defa Atelierkapazitäten für eigene Projekte zur Verfügung stellen: West-Filme, in Babelsberg realisiert.

Zunächst bringt Brauner einen Stoff um den geheimnisvollen Großverbrecher Dr. Mabuse ins Spiel, der aber von der Hauptverwaltung Film abgelehnt wird. In einem Schreiben an das für Kultur zuständige ZK-Mitglied Kurt Hager heißt es, „Das Kabinett des Dr. Mabuse“ verquicke „die bekannte Mabuse-Gestalt der 20er-Jahre mit den Versuchen jenes italienischen Professors, der kürzlich bekannt gab, dass er künstlich menschliche Embryos hergestellt habe. Der Stoff ist nicht antisozialistisch im politischen Sinne, sondern unpolitisch im kommerziellen Sinne.“ Ihn in Babelsberg zu drehen, käme nicht infrage.

So willigt die Defa im September 1965 ein, Dienstleistungen für einen anderen Stoff zu gewährleisten: Brauners Prestigeprojekt „Die Nibelungen“. Bis zu 110 Drehtage mit einer Kapazität von 3,4 Millionen Mark könnten dafür ermöglicht werden. Drehbeginn: März 1966.

Doch im Dezember 1965 tagt das 11. Plenum der SED, die Defa gerät unter verschärfte Beobachtung und Filmminister Günter Witt wird unsicher: Es müsse befürchtet werden, schreibt er nur wenige Tage nach dem Plenum, „dass dieser Film bei dem antikommunistisch und rassistisch vorbeeinflussten westdeutschen Publikum durch die Darstellung der Hunnen und die Art ihrer Gegenüberstellung mit den Burgundern geeignet ist, einen vorhandenen antisowjetischen oder gegen Asiaten oder Balkanvölker gerichteten Gefühlskomplex zu nähren.“ Noch empfiehlt Witt, Einfluss auf das Drehbuch zu nehmen. Nur kurze Zeit später aber zieht der Minister seine generelle Genehmigung zurück. Die Defa muss den Vertrag mit Brauner kündigen.

Schon am letzten Tag des Plenums geht eine Weisung der Hauptverwaltung Film an die Defa, dass allen Mitarbeitern, die an dem Doppelprojekt „Goya“ und „Die Nibelungen“ beteiligt sind, die Tages-Passierscheine für West-Berlin entzogen werden. Einzig ein Szenenbildner wird aus Babelsberg abgeordnet, der im Sommer 1966 für 8000 D-Mark Drachen und Drachenköpfe für Brauner baut.

„Goya“ entsteht schließlich als Co-Produktion mit der Sowjetunion. Eine Gemeinschaftsproduktion mit Artur Brauner wird es bis zum Ende der DDR nicht geben.