Rolf Hoppe, Mitte, mit Christine Harbort, links, und Klaus Maria Brandauer, rechts, in Mephisto von István Szabó.
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BerlinAnfang der 1970er-Jahre denkt der Defa-Dramaturg Walter Janka darüber nach, Klaus Manns Roman „Mephisto“ zu verfilmen. Janka hat gute Beziehungen zur Familie Mann, das geht noch auf seine verlegerische Arbeit im Exil zurück. Als er in der DDR aus politischen Gründen verhaftet wird, setzen sich auch die Manns vehement für seine Freilassung ein.

Nun also „Mephisto“, die 1936 geschriebene Abrechnung Klaus Manns mit seinem früheren Schwager Gustaf Gründgens, der sich den Nazis angedient hatte. Golo Mann signalisiert Wohlwollen: „Die Familie Mann“, schreibt er nach Babelsberg, „wäre mit einer Verfilmung durchaus einverstanden, sei es in der DDR allein, sei es in Form einer Co-Produktion.“ Zugleich weist er darauf hin, dass der Roman seines Bruders in der Bundesrepublik verboten sei.

Für den Justiziar der Defa ist das der Grund für eine Warnung: Wenn das Buch im Westen nicht verbreitet werden darf, bestehe die dringende Gefahr, dass auch der Film nicht dorthin verkauft werden könne. Der Defa-Außenhandel bestätigt eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Das Projekt wird zunächst ad acta gelegt.

1973/74 bringen die Autoren Wera und Claus Küchenmeister erneut „Mephisto“ ins Spiel. Sie haben gerade mit dem Westberliner Produzenten Manfred Durniok zu tun, der der Defa geholfen hat, einige Szenen für ihren Film „Aus dem Leben eines Taugenichts“ in Italien zu drehen. Nun erklärt er sich bereit, auch das Projekt „Mephisto“ zu unterstützen. 1974 erwirbt er die Option auf die Weltverfilmungsrechte, legt aber unbedingten Wert auf eine Gemeinschaftsproduktion mit der Defa.

Dort regen sich neue Bedenken. Staatsratsmitglied Hans Rodenberg gibt die „Empfehlung“, das „kulturpolitische Umfeld“ zu beachten: Immerhin sei Gründgens 1945 durch die sowjetische Besatzungsmacht hofiert worden. Und Filmminister Günter Klein stört sich an der Beteiligung von Durniok, der sich im Falle einer Zusammenarbeit die Vertriebsrechte für die Bundesrepublik und andere westliche Staaten ausbedungen hat. „Wir können ihm nicht soweit entgegenkommen. Damit würde die Gefahr entstehen, dass der Film zu von uns nicht kontrollierten Zwecken benutzt werden kann.“

Dabei sind schon längst Regisseure angefragt worden. So wie Hollywood-Altmeister Otto Preminger, der freilich mit horrenden Honorarforderungen aufwartet. Dann sagt Egon Günther zu, die Regie zu übernehmen. Als sich die Defa zurückzieht und die Küchenmeisters mit dem Projekt zum DDR-Fernsehen wechseln, interessiert sich Kurt Veth. Doch mit dem vorgeschobenen Einwand, Durniok sei nicht liquid, wird „Mephisto“ auch hier begraben.

Als die Küchenmeisters 1979 erfahren, dass Ariane Mnouchkine in Paris eine Theaterinszenierung nach „Mephisto“ vorbereitet, drängen sie erneut. Sie intervenieren sogar bei Erich Honecker. Ihr Brief landet bei Defa-Chef Hans Dieter Mäde. Und der befindet, „die einzige Filmgesellschaft unseres Landes“ solle sich „nicht in die Skandalisierung“ von Gründgens hineinziehen lassen.

Ein Jahr später verfilmt Manfred Durniok „Mephisto“ in einer westdeutsch-österreichisch-ungarischen Co-Produktion. Regisseur István Szabó nutzt das Defa-Studio als Dienstleister, um Szenen in Potsdam und Berlin zu drehen. DDR-Schauspieler Rolf Hoppe ist in einer Hauptrolle zu sehen. 1982 erhält „Mephisto“ den Oscar.