Die Israel-Korrespondentin der Berliner Zeitung Anja Reich (links) und Yael Nachshon Levin.
Foto: Sabine Gudath

BerlinEs war auch ein Abend über die Kraft des Erzählens. Vor eineinhalb Jahren kannten sich Anja Reich und Yael Nachshon Levin kaum, nun sind sie Freundinnen, mehr noch: Vertraute. Sie haben sich selten gesehen in der Zeit, aber viel geschrieben. In der einen Woche schickte Anja Reich eine E-Mail aus Tel Aviv, in der nächsten antwortete Yael Nachshon Levin aus Berlin. Zwei Frauen, die in Berlin für kurze Zeit Nachbarinnen gewesen waren und nun in die Heimat der jeweils anderen lebten.

Die Briefe, die während der vergangenen 18 Monate in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurden, sind soeben als Buch erschienen („Getauschte Heimat“, Aufbau Verlag) . Am Mittwochabend lasen Anja Reich, zurzeit Israel-Korrespondentin der Zeitung, und die Sängerin und Komponistin Yael Nachshon Levin im ausverkauften Pfefferberg-Theater daraus vor.

Ein berührender Austausch in Briefform

Es ist ein berührender Austausch, der zeigt, was das Briefeschreiben kann: An jemand anderen gerichtet, helfen die Worte auch einem selbst, sich über manches klarzuwerden, was sonst vage geblieben wäre. Es geht um alltägliche Beobachtungen und Fragen, wie die, wo man in Tel Aviv eine Weihnachtsgans bekommt oder woher die Neigung der Deutschen zum tadelnden Kopfschütteln kommt. Doch immer schwingt auch Größeres mit: Was ist Heimat? Wie sehr kann man sich zuhause fühlen als Deutsche in Israel, wie sehr ankommen als Israelin in Deutschland?

Anja Reich und Yael Nachshon Levin haben ihren Briefwechsel beendet, im Frühling wird Anja Reich zurück nach Berlin ziehen. Sie werden wieder Nachbarinnen sein. Und jetzt auch Freundinnen.

Zuvor machen sie mit „Getauschte Heimat“ (Aufbau-Verlag), so der Buchtitel, aber noch eine Lesereise. Diesen Donnerstag, 28. November, treten sie nochmal im Pfefferberg auf, Tickets für 14,50 Euro gibt es an der Abendkasse. Eine weitere Lesung im Pfefferberg-Theater ist am 9. Januar. Beginn der Lesung ist jeweils um 20 Uhr. Einlass ab 19.30 Uhr. Karten über pfefferberg.de oder unter der Telefonnummer 030/93 93 58 555.

Veranstaltungsort ist das Pfefferberg Theater, Schönhauser Allee 176.