Gewalt gegen Kunstwerke: Woher kommt diese Wut?

Nach der Attacke auf Kunstwerke der Sommerschau in Biesenthal – Schaden 50.000 Euro – wird nach einer Antwort auf die Fragen gesucht: Wer tut so was? Und warum?

Das waren auf der kaum eröffneten Art Biesenthal einmal große, weithin leuchtende Skulpturen von Daniel Hölzl und Abie Franklin, zerschlitzt mit einem scharfen Gegenstand.
Das waren auf der kaum eröffneten Art Biesenthal einmal große, weithin leuchtende Skulpturen von Daniel Hölzl und Abie Franklin, zerschlitzt mit einem scharfen Gegenstand.Daniel Hölzl und Abie Franklin

Ich habe Leserpost bekommen, etliche Mails. Das passiert nicht so oft. Berlin ist überfüttert mit Kunstausstellungen, sogar jetzt im Sommerloch. Wer soll sich da noch auseinandersetzen mit dem, was die Kunsttante der Berliner Zeitung darüber schreibt?

Von einer Überfülle an Kunsterlebnissen können viele ländliche Regionen nur träumen. Wegen dieses Traums riefen Künstlerinnen und Künstler vor 20 Jahren die Art Biesenthal ins Leben: als einen Sommer-Kunst-Spaziergang in der Natur des herbschönen Barnim, am Flies, unter alten Bäumen, dazu Veranstaltungen und ein wenig Gastronomie. Mit Workshops für Keramikkunst, mit Vorträgen über Natur- und Insektenschutz. Immer an den Wochenenden, diesmal bis zum 28. August.

Biesenthal bekam den Ruf eines Ortes für Kunst und Natur. Bürgermeister und Einwohner finden das gut, sind jedes Jahr interessierte Gäste der Sommerschau. Und gerade junge Künstlerinnen und Künstler fanden hier bei den Veranstaltern eine Plattform. Alles schien gut. Doch in der vergangenen Woche mussten wir berichten, dass es eine böse Attacke auf  Kunstwerke gegeben hat. Etwas, das seit 20 Jahren noch nie passiert ist. Über Nacht wurden Kunststoff-Skulpturen der „Bycatch“-Serie zweier Bildhauer – Daniel Hölzl, Österreicher, und Abie Franklin, Israeli – zerschlitzt und die Fetzen auf der Wiese liegen gelassen wie riesige Leichentücher.  Zerstört war ein Werk, das in der Form an Wellenbrecher erinnert und daher das Thema Widerstand gegen Kräfte der Gewalt symbolisiert. Allein der materielle Schaden: 50.000 Euro.

Ein Verdacht aber keine Beweise

Aber wer tut so was und warum? Es gibt einen Verdacht, aber keine Beweise. Eine Leserin mutmaßt, die vielen Besucher aus der Stadt mit ihren Autos würden Leuten im Ort wohl auf den Nerv gehen und da hätte einer seine Wut abgelassen. Ein weiterer Leser nimmt an, jemand habe etwas gegen einen israelischen Künstler. Am Montag kam eine Mail von einem Besucher der Art Biesenthal, der die Attacke auf die Kunstwerke verurteilt, aber die These hat, die zerstörerische Wut generiere sich aus der auch für ihn empörenden Tatsache,  dass das Kunstevent 20 Euro Eintritt koste.  „Die Art Biesenthal“, schreibt Herr V., „richtet sich wohl auch nicht an die Bevölkerung in der Umgebung, sondern an Kunstliebhaber:innen, die über das nötige Geld verfügen. Das wird auch auf dem Parkplatz durch Luxus-Limousinen deutlich. Demnach büßt Kunst für Sozialneid?“

Das darf nicht sein. Denn die Veranstalter finanzieren das Sommerprojekt samt aller Transporte, des Aufbaus und aller Angebote ganz privat und ohne staatlichen Fördertopf, sodass die Ticketeinnahmen wenigstens die Unkosten decken. Und für die Biesenthaler ist der Eintritt schon immer frei.