Unter den Avantgardisten des westdeutschen Postpunk gehörten sie zu den wagemutigsten, formstrengsten und schönsten. Niemand sonst reduzierte das Format des romantischen Liebeslieds so erbarmungs- und scheinbar emotionslos auf sein Gerüst wie die niedersächsiche Band Trio. Niemand sonst – außer eventuell D.A.F. – machte so früh so radikalen Gebrauch von minimalistischen elektronischen Beats.

Ihr epochales Stück „Da Da Da Ich lieb dich nicht du liebst micht nicht aha aha aha“ aus dem Jahr 1982 zählt zweifellos zu den Sternstunden der deutschen Popmusik. Zu dem lasziv-pseudolethargischen Gesang von Stephan Remmler und dem stoisch geklöppelten Stehschlagzeug von Peter Behrens spielte Gitarrist Gert „Kralle“ Krawinkel, 1947 in Cuxhaven geboren, sein Instrument mit ebenso stoischer Miene durch einen billigen Kofferverstärker; und doch schuf er machtvoll ins Ohr gehende Riffs: in „Da Da Da“ ebenso wie später in „Anna – lass mich rein lass mich raus“ oder „Turaluraluralu – ich mach bubu, was machst du?“, aber auch schon in früheren, weniger bekannten, gleichermaßen grandiosen Trio-Nummern wie „Sunday You Need Love Monday Be Alone“ oder „Broken Hearts For You And Me“.

Der künstlerische Höhenflug von Trio währte nur kurz, 1986 brach die Band auseinander, und lediglich Stephan Remmler glückte anschließend eine Solokarriere. Die Haltung dieser Band, ihre schwer zu entwirrende Verbindung von Ernsthaftigkeit und Witz, ihr genialer Dilettantismus – all das ist aber bis heute ein Maßstab geblieben. Und nur wenige Gitarristen sind mit so wenigen Riffs so unvergesslich geworden wie Kalle Krawinkel. Am Sonntag ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.