Es muss ein berührender, geradezu mystischer Moment gewesen sein, als sich im Juni 1940 über einem Feld bei Toul, westlich von Nancy, der Ton einer Klarinette erhob. Tausende französische Soldaten wurden hier unter freiem Himmel von der Wehrmacht gefangen gehalten, sie waren „wie in einem Fischernetz zusammengepfercht“, beschrieb es der Dichter Guy Bernard später. Und da erklang über all dem Elend und Chaos das Instrument von Henri Akoka, einem Klarinettisten vom Orchestre National de France. Er studierte ein von seinem Mitgefangenen Olivier Messiaen in den Tagen zuvor geschriebenes Stück ein. „Abîme des oiseaux“ hieß das gerade einmal acht Minuten lange Musikstück, „Abgrund der Vögel“. Ein halbes Jahr später fügte es Messiaen als dritten Satz in sein berühmtes „Quartett für das Ende der Zeit“ ein, das als eines der bedeutendsten Kammermusikwerke des 20. Jahrhunderts gilt.

Im Sommer 1940 geriet Messiaen in deutsche Gefangenschaft

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.