Goethe-Institut: Von wegen, Bildung hilft

Bildet euch!, rufen Politiker ihren Wählern zu, wenn sie prekäre Lebensverhältnisse beklagen. Wenn sich Menschen mit Dumpinglöhnen herumschlagen und als Aufstocker beim Arbeitsamt vorstellig werden müssen, hören sie: Bildung, Bildung, Bildung! Dann klappt es auch mit dem Geldverdienen. Bildung? Am Freitag protestieren Mitarbeiter des Goethe-Instituts für eine anständige Behandlung. Sie verlangen gleiches Geld für gleiche Arbeit und anständige Honorare. Moment – sprechen wir über die berühmteste deutsche Kultur- und Bildungseinrichtung der Welt? Über Arbeit in Deutschland? Über das Goethe-Institut, das 2012 Rekord-Gewinne verbuchen konnte, weil die Deutschkurse explodierten? Ja, von diesem Institut ist die Rede. Es wirbt mit dem Slogan „Wir sind Goethe“.

Strenge Zwei-Klassen-Ordnung

80 Prozent seiner Lehrer gehören aber nicht dazu, die dürfen nicht „Goethe sein“. Denn das Institut hat eine strenge Zwei-Klassen-Ordnung. Es hat den Anteil der Festangestellten am Personal in den letzten Jahren von 70 auf 20 Prozent gesenkt. Dabei machen alle Lehrer exakt dasselbe. Sie alle sind hochqualifizierte Akademiker, oft promovierte Gymnasiallehrer, sie arbeiten in der Einrichtung mit dem Image der besten Sprachschule, werden monatlich evaluiert und unterrichten 85 Stunden im Monat.

Ein 17-tägiger Sprachkurs kostet hier 1000 Euro, für so einen Spitzenpreis dürfen Schüler auch Spitzenlehrer erwarten. Bekommen sie offenbar auch. Nur dass die einen feste Gehälter von Studienräten beziehen mit schönen Renten. Die anderen dagegen unterschreiben alle zwei Monate einen neuen befristeten Vertrag. Sie haben keine Sicherheit, zahlen Sozialbeiträge selbst, müssen sich Urlaub oder Krankheit leisten können. Eine Lehrerin mit Bandscheibenvorfall konnte das nicht und lebt jetzt von Hartz-IV-Zahlungen. Die Lehrer haben nach eigenen Angaben ein Nettogehalt von 1400 Euro im Monat und verlangen mehr – etwa Lohn bei Krankheit und Urlaub.

Gut, für Künstler aus der freien Szene klingt das vielleicht wie ein Luxusproblem. Ihre Stundenlöhne liegen nicht bei 26 bis 32 Euro, sondern bei 3 bis 6 Euro. Doch teilt hier nicht ein Arbeitgeber ein in teure und billige Spitzenkräfte. Aber beides ist ein Indiz dafür, dass sich nicht nur die Beschäftigten der Fleischindustrie und bei Amazon gegen Billiglöhne verwahren müssen, sondern auch die der Bildungswelt. Das Goethe-Institut erklärt, den gewachsenen Anteil seiner Freiberufler gar nicht zu kennen. Aber es wolle sich damit gegen den unsicheren Bildungsmarkt wappnen.

Freitag, 12. 7., 12.30 Uhr Goethe-Institut Berlin, Neue Schönhauser Straße 20