Cate Blanchett gestand erst einmal, dass sie schon ein paar Wodka intus habe, als sie am Sonntagabend auf die Bühne des Beverly Hilton Hotels in Los Angeles kletterte. Eine funkelnde Rede, so wollte sie damit warnen, sei von ihr nicht zu erwarten. Und so kam es dann auch: Blanchett nannte den Golden Globe, den sie für ihre Rolle in Woody Allens „Blue Jasmine“ bekommen hatte, lakonisch „eines dieser Dinger, die deinen Bizeps gut aussehen lassen“. Dann erzählte sie vom Besuch im Disney Land mit ihrer Tochter am Vormittag, und schließlich beschwerte sie sich darüber, dass die Redner mit Musikeinspielungen von der Bühne gescheucht wurden, wenn sie zu lange brauchten.

Doch Blanchetts Auftritt wurde an Nonchalance noch von Jacqueline Bisset übertroffen, die offenbar noch ein paar Wodkas mehr genossen hatte und bei ihrer Dankesrede für den Filmpreis der Vereinigung ausländischer Journalisten in Hollywood sowohl in Wirrnis als auch in Unflätigkeiten abglitt. Die beiden Damen haben sich ganz schön gehen lassen an diesem Abend.

Kein zuverlässiges Stimmungsbarometer

Das war milde unterhaltsam, aber es war vor allem auch ein Kommentar auf den Stellenwert, den die Golden Globes in Hollywood haben. Die Entertainment-Presse jazzt das Event zwar Jahr für Jahr als große Generalprobe für die Oscars hoch, als Barometer dafür, wer bei der wirklich großen Awards-Show abräumen dürfte und wer nicht. Doch Brancheninsider wissen genau, dass die Bedeutung der Golden Globes als Stimmungsmesser für das Oscar-Rennen kaum taugt, auch wenn, wie 2013 „Argo“, bisweilen tatsächlich Filme bei beiden Veranstaltungen abräumen.

Das liegt zum einen an der Tatsache, dass die Oscar-Nominierungen schon drei Tage vor den Golden Globes abgeschlossen waren und somit keinen Eindruck auf das Oscar-Gremium machen konnten. Zum anderen ist die Vereinigung der ausländischen Hollywood-Korrespondenten im Vergleich zur Oscar-verleihenden Motion Picture Academy mit ihren 6 000 Branchen-Angehörigen ein vollkommen unbedeutendes Gremium.

Was also ist von den Globes zu halten? Für die Leute im Business ist es eine weitere Gelegenheit, in der seit dem Filmfestival Toronto im September laufenden Preisverleihungssaison mit Kollegen zusammenzusitzen und sich ein paar Drinks zu genehmigen. Die Gewinner der Globes erhalten lediglich das, was man hier in den USA „bragging rights“ nennt – das Recht, sich auf die Brust zu trommeln. Ansonsten haben die Golden Globes kaum Folgen. Dazu passt, dass aus den jetzt vergebenen Globes kaum Trends abzulesen sind. Auch wegen der Kategorien-Vielfalt – Filme und Fernseh-Shows sind noch weiter in Drama, Musical und Komödie unterteilt – ging aus der Gala kein klarer Sieger hervor. Der Preissegen war breit gestreut.

So bekam das Sklavendrama „12 Years a Slave“, ein hoher Favorit für die großen Awards des Jahres, die Trophäe für das beste Drama. Bei den Auszeichnungen für die besten Haupt- und Nebendarsteller wurde Steve McQueens Film jedoch übergangen. „American Hustle“ von David O. Russell gewann dafür drei Preise: für die beste Komödie, die beste Haupt- und die beste Nebendarstellerin. Der Preis für das beste Drehbuch ging an Spike Jonze für „Her“, die Romanze eines Schriftstellers mit seinem Betriebssystem. Und der beste Hauptdarsteller in einer Komödie war Leo DiCaprio als „Wolf of Wall Street“. Was ihn selbst verwunderte, denn eigentlich ist „Wolf of Wall Street“ alles andere als komisch. Möglicherweise hatten die ausländischen Korrespondenten da ein etwas anderes Humorverständnis als das US-Publikum.

Natürlich wurde nach dem Abend genauso viel darüber geredet, wer übergangen wurde, wie darüber, wer mit einem Pokal seinen Bizeps stärken durfte. Die prominentesten Verlierer waren die Filme „Nebraska“, „Captain Phillips“, „August: Osage County“ sowie das neue Coen-Werk „Inside Llewyn Davis“. Über ihre Oscar-Chancen müssen sich die Macher dieser Filme nach den Globes jedoch ebenso wenig grämen wie Daniel Brühl, der für seinen Niki Lauda in „Rush“ auch keinen Globe bekam.

Wenn es an diesem Abend der entspannten Belanglosigkeiten überhaupt einen Spannungsmoment gab, dann betraf er das Verhältnis des Kinos zum Fernsehen, das mit seinen hochwertigen Serien auf Kabelkanälen und im Internet der Leinwand zunehmend den Rang abläuft. Am Ende hatten sich jedoch alle wieder lieb. Der „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston bekam bei seiner Auszeichnung für die letzte Staffel der Kultserie mehr Applaus als irgendein anderer Preisträger. Dann entschwand man in trauter Einigkeit in die Nacht von Hollywood, um weiterzutrinken.