So viel Zuspruch, Dank und Lob hat Dunja Hayali schon lange nicht mehr erfahren. Auf Facebook schlägt der ZDF-Moderatorin oft Hass und verbale Gewalt entgegen. Seit Sonnabendabend aber bedanken sich Tausende Zuschauer in dem sozialen Netzwerk für die Rede, die Dunja Hayali auf der TV-Gala der Goldenen Kamera gehalten hat – es war der emotionale Höhepunkt der ZDF-Show.

Als Preisträgerin in der Kategorie „Beste Information“ beschrieb Hayali nicht nur das, was sie die „Verrohung der Sprache“ nennt: „Keiner hört keinem mehr zu. Worte werden einem im Mund verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen, und wenn man nicht die Meinung des Gegenüber vertritt, ist man ein Idiot, ein Lügner, eine Schlampe oder total ferngesteuert.“ Dennoch warb Hayali unverdrossen für den Dialog: „Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde, und streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin.“ Wer sich allerdings rassistisch äußere, den werde sie auch künftig einen Rassisten nennen.

Kaum eine TV-Journalistin sucht die Begegnung mit Menschen anderer Meinung so offensiv wie Dunja Hayali. „Sie stellt ganz klare Fragen, konfrontiert ihr Gegenüber auch mit deren widersprüchlichen Aussagen und flüchtet sich niemals in Ironie“, bescheinigte ihr die Jury der Hörzu. Dabei ist die 41-Jährige nicht etwa eine Art Chefreporterin des ZDF, sondern eigentlich Moderatorin im beschaulichen Morgenmagazin, für das sie seit 2007 arbeitet. Zuvor war sie in lokalen Medien in Köln und Berlin tätig und berichtete als junge Reporterin auch über den Prozess zum Solinger Brandanschlag.

Gern bricht die kleine, drahtige Frau, die ihre Tattoos unter langer Kleidung versteckt, aus der Routine der frühmorgendlichen Drei-Minuten-Interviews aus. Sie suche nicht das Gespräch mit politischen Entscheidungsträgern, sondern mit allen, die von Politik betroffen sind, erklärte sie im Sommer zum Start ihrer Reihe „Donnerstalk“, die Reportagen mit Studio-Talks verknüpfte.

Beim Thema Flüchtlinge zeigt Hayali, deren Eltern als Christen aus dem Irak nach Deutschland kamen und die Arabisch spricht, besonderes Engagement. Während ZDF-Kollegen der „heute show“ die Funktionäre und Anhänger von AfD und Pegida gern lächerlich machen, sucht Hayali das direkte Gespräch. Jüngst traf sie sich mit Kritikern, die dem ZDF Lügen unterstellten. Und siehe da: Im ernsten, offenen Gespräch ließen sich gegenseitig Vorurteile entkräften – und manche Vorwürfe lösten sich einfach in Luft auf.