Der Goldene Bär ging an den iranischen Regisseurs Mohammed Rassoulof. Seine Tochter Baran Rassoulof (Mitte) nahm den Preis entgegen. Schauspieler Elio Germano und Schauspielerin Paula Beer wurden mit Silbernen Bären ausgezeichnet.
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Berlin - In Berlin sind am Samstagabend die Preise der diesjährigen Berlinale verliehen worden. Der Episodenfilm „Es gibt kein Böses“ („There Is No Evil“) des iranischen Regisseurs Mohammad Rassoulof wurde mit dem Goldenen Bären der 70. Berlinale ausgezeichnet, wie die Jury bekanntgab. In dem Episodenfilm geht es um die Todesstrafe im Iran. Die Jury zeichnete das Filmteam am Samstagabend auf der Berlinale aus - allerdings in Abwesenheit des Regisseurs, der selbst keine Reiseerlaubnis bekam. Seine Tochter Baran Rassoulof nahm den Preis entgegen. Sie sei überwältigt und glücklich und gleichzeitig sehr traurig. „Denn dieser Preis ist für einen Filmemacher, der heute nicht hier sein kann“, sagte sie. „Dieser Preis ist für ihn.“

Rassoulof gehört wie sein Kollege Jafar Panahi („Taxi Teheran“) zu Filmemachern, die in ihrer Heimat immer wieder Probleme haben. Beide waren nach Protesten gegen die Präsidentschaftswahlen 2009 verurteilt worden, Rassoulofs Reisepass wurde ihm 2017 abgenommen.

Silberne Bären

Die Schauspielerin Paula Beer wurde mit einem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihre Rolle in Christian Petzolds neuem Werk „Undine“. In dem Liebesfilm mit Franz Rogowski spielt sie eine Historikerin, die Touristen architektonische Stadtmodelle erklärt. Angelehnt ist ihre Figur an einen alten Nixen-Mythos. Mit Petzold hat in Berlin lebende Beer auch schon das Drama „Transit“ gedreht. Bester Darsteller wurde der Italiener Elio Germano, der im Künstlerdrama „Hidden Away“ („Volevo nascondermi“) einen Maler spielt, der lange aus Ausgestoßener lebte.

Der Südkoreaner Hong Sangsoo ist mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet worden. Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin ehrten ihn  für sein Werk „Die Frau, die rannte“ („Domangchin yeoja“). Der Film handelt von einer Frau, die nach Jahren erstmals wieder etwas ohne ihren Mann unternimmt und frühere Freundinnen trifft.

Die französische Komödie „Delete History“ („Effacer l“historique“) wurde mit einem Sonderpreis der Berlinale ausgezeichnet. Der Film bekam den „Silbernen Bären - 70. Berlinale“. Die Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern erzählen von drei Menschen, die gegen die Allmacht des Internets und den Konsumterror kämpfen.

Mit einem Silbernen Bären wurde der deutsche Kameramann Jürgen Jürges  für eine „herausragende künstlerische Leistung“ ausgezeichnet. Geehrt wurde der 79-Jährige für seine Arbeit am Experimentalfilm „DAU. Natasha“ der russischen Regisseure Ilya Khrzhanovsky  und Jekaterina Oertel, wie die Filmfestspiele am Samstagabend bekanntgaben. Jürges hat in der Vergangenheit unter anderem mit Größen wie Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder gedreht.

Die italienischen Filmemacher Fabio und Damiano D“Innocenzo bekamen den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Die Geschwister wurden für ihren Film „Bad Tales“ („Favolacce“) ausgezeichnet. Das beklemmende Drama über mehrere Familien in einem Vorort ging auf der Berlinale als einer von 18 Filmen ins Rennen um die Auszeichnungen.

Großer Preis der Jury für US-Jugenddrama

Der Film „Never Rarely Sometimes Always“ von der US-Amerikanerin Eliza Hittman hat bei der Berlinale den Großen Preis der Jury gewonnen. In ihrem Film erzählt Hittman von einer ungewollten Schwangerschaft. Eine 17-Jährige macht sich mit ihrer Freundin auf nach New York, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen.