Wenn die Gorillaz ankündigen, ein virtuelles Konzert zu spielen, gibt es auf den ersten Blick zwei Möglichkeiten: Entweder Damon Albarn und seine wechselnden Gastmusiker treten hauptsächlich auf – oder Jamie Hewletts Comiczeichnungen, die die Gorillaz als virtuelle Band bekannt machten, nehmen wie in den Musikvideos die Bühne ein und entführen den Zuschauer in eine andere Welt. Am Sonntagabend, bei dem dritten weltweiten Livestream der Gorillaz, war ersteres an der Reihe.

Albarn und seine etwa 14-köpfige Liveband leiteten die Show „Song Machine Live“, die die Gorillaz-Lieder aus dem diesjährigen Album „Song Machine: Season One: Strange Timez“ darboten. In einer alten Lagerhalle namens Kong haben sie sich versammelt – eine Anlehnung an die Londoner Kong Studios, wo Albarn und Hewlett die Band Ende der 90er-Jahre gründeten. Ein Sofa ist dort zu sehen, eine Bühne, eine große Leinwand sowie ein paar Regale mit Lichterketten und Spielzeugfiguren.

Ob es die echten Kong Studios sind, wird nicht nicht ganz deutlich, auch wenn die Kameras Bilder aus den verschiedenen Positionen zeigen, sodass den Zuschauer das Gefühl intimer Authentizität ereilt. Dabei ist das, was Albarn und seine Musiker tun, nicht intim: Albarn holt stets zu großen Gesten aus, sitzt mit auffälliger Brille wie einst Elton John am Klavier, tanzt herum und ruft wie ein Pilot ins Mikrofon rein. Immer wieder taucht auch ein Gastmusiker auf: Robert Smith von The Cure bei dem housig-düsteren „Strange Timez“ etwa. Oder das US-HipHop-Duo Earthgang als XXL-3-D-Einblendung in der Dancehall-Nummer „Opium“.

Die Gorillaz haben sichtlich Spaß

Die Songs klingen tadellos, die Abläufe sind einwandfrei und die Gorillaz haben sichtlich Spaß bei ihrer Lagerhallenparty im Internet. Doch was ist mit 2D, Murdoc, Noodle und Russel? Den Comiczeichnungen der Band? 

Man muss aufmerksam hinschauen, um sie zu entdecken. Es gibt Szenen, wie jene zu „The Pink Phantom“ mit Elton John und 6LACK, wo sie deutlich eingeblendet werden, oft erscheinen sie aber nur am Rande. Gegen Ende des eineinhalbstündigen Streams wird deutlich, woran das liegt: Sie sitzen im Regieraum und ärgeren sich, dass es wegen Corona keine Aftershow-Party gibt. Das verlangt natürlich höchste Konzentration, doch ein wenig mehr Präsenz von ihnen hätte die Show unterhaltsamer gemacht. Zumal es ihre große Chance gewesen wäre – jetzt, da alles digital ist und sie nicht wie bei echten Liveshows meist nur über die Leinwand huschen müssen.

Dem amerikanischen Musikmagazin Rolling Stone sagte Albarn, dass er durch den Stream die Möglichkeit sehe, beide Welten verschmelzen zu lassen. Für den Zuschauer bot er meist die reale Welt – und das in diesen Zeiten. 

„Song Machine Live“ von den Gorillaz ist bis zum Abend des 14.12. gegen einen Preis von 15 Euro unter www.live-now.com zu sehen. Am 18. Juni 2021 spielt die Band in der Berliner Wuhlheide. Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen.