Der verstorbene Schlagzeuger Tony Allen ist auf einem Lied der Gorillaz zu hören. 
Foto: Warner Music

Es klingt wie das Line-up des Coachella Festivals: Pop-Legende Elton John, Cure-Frontmann Robert Smith, Multiinstrumentalistin St Vincent, Rockerin Joan as Police Woman und natürlich Hip-Hopper wie ScHoolboy Q – die virtuelle Band Gorillaz versammelt auf ihrem siebten Album „Song Machine: Season One: Strange Timez“ insgesamt 17 Künstler der urbanen Popwelt.

Das mag an dem Musikgeschmack von Frontmann Damon Albarn liegen – den ältere Hörer aus seiner Zeit bei Blur kennen –, doch hat Albarn in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sein Gorillaz-Projekt mit Comic-Zeichner Jamie Hewlett mehr ist als nur die Ansammlung von Musikern unter einem Pseudonym, die dann als Comicgestalten in realen Musikvideos erscheinen. Die Gorillaz haben es geschafft, sich ihre eigene Welt zu kreieren. Musikrichtungen wie Trip Hop, Leftfield, Dream Pop oder Grime finden unter Wasser, in Wüsten oder vor grauen Fassaden statt; Künstler, die sonst nicht zusammengearbeitet hätten, reißen stellenweise aktuelle Themen an. Dennoch klingt es nie nach unserer Realität und nach den Gästen, die die Gorillaz gerade eingeladen haben, sondern immer nach den Gorillaz und ihrem eigenen Universum.

„Song Machine: Season One: Strange Timez“ startete als Onlineprojekt

Das alles einzuordnen, ist aber manchmal nicht so leicht. Selbst Albarn soll der britischen Tageszeitung The Guardian gesagt haben, dass er nicht wüsste, in welche Richtung die Gorillaz gingen – besonders mit dem neuen Album. Angefangen habe „Song Machine: Season One: Strange Timez“ als Onlineprojekt. Zu Beginn des Jahres veröffentlichten sie Song um Song aus den britischen Kong Studios, drehten neue Videos und luden sie auf YouTube hoch. Doch die Corona-Pandemie machte die Produktion schwerer: Vieles lief über E-Mails und musste zusammengeschnitten werden. Das treibende Hip-Hop-Lied „How Far?“ mit Grime-Musiker Skepta und Afrobeat-Schlagzeuger Tony Allen bekam nur ein Standbild als Video, da Allen vor der Veröffentlichung im Alter von 79 Jahren starb.

Doch die Gorillaz machten weiter. Neben den bereits veröffentlichten Liedern, die millionenfach geklickt und gestreamt wurden, arbeiteten sie an einer Radioshow bei Apple, an dem Album und an einem digitalen Live-Event. Klar, wenn jemand weiß, wie man online funktioniert, dann diese Band. Und wenn man hört, wie cool Elton John mit Rapper 6Lack in „The Pink Phantom“ über Isolation und Tod sinnieren kann – und das als Zeichnung –, weckt das Lust auf mehr. Zumal es den Gorillaz gelingt, dass man als Hörer in ihre Welt schnell eintaucht. Das ist äußerst angenehmer Eskapismus im Alltag. Aber mal ehrlich: War schon einmal etwas schlecht bei den Gorillaz oder hat nicht funktioniert? Nein. „Song Machine: Season One: Strange Timez“ reiht sich daher gut in ihren Katalog ein.

Gorillaz - „Song Machine: Season One: Strange Timez“ (Parlophone Label Group/Plg/Warner) ist als Deluxe-Version mit 17 Liedern erhältlich und als einfache Edition mit elf Stücken. Am 12. und 13. Dezember findet ein globaler Livestream zum neuen Album statt. Tickets und Infos unter: www.live-now.com