Thomas Gottschalk trägt schwarz. Das muss man nicht interpretieren. Aber man kommt nicht umhin, es festzustellen. Genauso wenig kann man jetzt noch übersehen, dass das strahlende Lachen irgendwie festgeklebt, die Zähne nach Imitat aussehen, ein bisschen zu weiß und zu glatt. Thomas Gottschalk wirkt auf einmal so alt, wie er ist.

Natürlich ist das überhaupt nicht verwunderlich. Niemand möchte sich ausmalen, wie demütigend es sein muss, eine Sendung zu moderieren, die niemand sehen will und die demnächst auch niemand mehr sehen wird. Am 7. Juni wird „Gottschalk Live“ eingestellt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Dienstagabend: Maybrit Illner ist geladen, um ein bisschen Werbung für ihre ZDF-Castingshow „Ich kann Kanzler“ zu machen. Der Opener kündigt Thomas Gottschalk schelmischerweise als Teilnehmer des ARD-Castings „Ich kann Vorabend“ an. Warum nicht - mit Selbstironie begegnet man Niederlagen noch immer am besten. Gottschalk, im ersten Satz: „Ich bin nicht nur Teilnehmer, ich bin Gewinner des Vorabend-Castings“. Es klingt trotzig. Und, weil es so falsch ist, auch traurig. Umständlich und mit groben Gesten moderiert Gottschalk seine Kollegin Maybrit Illner an. Und schon hat man auf diese Show keine Lust mehr.

Lasst Gottschalk endlich gehen!

Man hat keine Lust mehr auf die öffentliche Demontage eines Helden. Aufhören! Lasst ihn endlich gehen!, möchte man der ARD zurufen. Wer Gottschalk wohlgesonnen ist, der wünschte in der vergangenen Woche, Gottschalk möge noch ein paar richtig gute Sendungen hinlegen, nochmal alles geben; frech, spontan, wenigstens von der Last des Ungewissen befreit. Der Dienstagabend zerstreut diese Hoffnungen.

Maybrit Illner zur Seite sitzen die beiden ehemaligen Kanzler-Sprecher Uwe-Karsten Heye (Gerhard Schröder) und Andreas Fritzenkötter (Helmut Kohl). Heye, an besseren Tagen vielleicht ein schlagfertiger Typ, gibt sich herablassend. Er macht sich am Rande über Illners Kanzler-Casting lustig. Er beteuert, wie schrecklich das wäre, wenn die „Journaille“ (dabei dreht er sich auf seinem Drehstuhl zu Maybrit Illner), „sich auch noch selbst diejenigen aussuchen könnte, die sie niedermachen will“. Er lacht, keiner lacht mit.

Heye, ein alter selbstgefälliger Mann, dem niemand Paroli bietet. Maybrit Illner hat vielleicht einfach keine Lust. Aber Thomas Gottschalk hat es vermutlich nicht mal mitbekommen. Er stellt die nächste Frage, und dieses Schema wird er die kommenden zwanzig Minuten bis zum Ende der Sendung beibehalten. Es fühlt sich so an, als müsste er Maybrit Illners Job machen und sich dabei furchtbar langweilen.

Gottschalk interessiert die Antwort nicht

„Sind das andere Menschen, wenn sie nicht vor, sondern hinter der Kamera stehen - oder die gleichen?“ fragt Gottschalk die beiden Regierungssprecher zu den Altkanzlern Schröder und Kohl. Welche Einfallslosigkeit! Ausgeschlossen, dass Gottschalk die Antwort dieser Frage tatsächlich interessiert. „Muss man denn als Kanzler so einen richtigen Killer-Instinkt haben?“ Diese Fragen sind nichts mehr als flache, müde Versuche, den nächsten Einspieler anzumoderieren oder die nächste Grafik: eine Galerie durchgestrichener Fotos zeigt angebliche Fast-Kanzler, die Angela Merkel auf dem Gewissen hat. Filmausschnitte zeigen Helmut Kohl, der Reporter maßregelt, und Schröder, der ne Flasche Bier verlangt. Lauter alte Witze, lieblose Youtube-Konserven. Reflexhaft öffnet man den Mund zum Lachen, aber dann kommt nur ein Gähnen raus.

Die Stimmung ist nicht erhitzt, sie ist träge, im besten Fall gereizt. Heye stichelt noch ein bisschen gegen die „völlig ahnungslosen“ Journalisten, die ihm den Job schwer gemacht hätten. Gottschalk, statt zu provozieren, nickt ergeben. Der Entertainer sitzt noch da, aber er wirkt wie ausgeschaltet. Vielleicht liegt es daran, dass er mit den Gedanken längst wieder am Strand von Malibu ist. Man kann es ihm nur wünschen.